Berlin - Die Königin kann aufatmen. Elizabeth II. hat ein Problem weniger, nachdem sich ihr Sohn Andrew in dem Missbrauchsprozess mit der Klägerin außergerichtlich einigen konnte. Der Prinz soll Virginia Giuffre vor gut 20 Jahren als Minderjährige sexuell missbraucht haben. Nun ist dem Vernehmen nach eine achtstellige Summe geflossen und das New Yorker Verfahren damit zu Ende. Es überschattete nicht nur die Feierlichkeiten zum 70-jährigen Thronjubiläum der Queen. Vielmehr hätte es mit den zu erwartenden Enthüllungen über das prekäre Intimleben Andrews das britische Königshaus schwer erschüttert.

Wie groß diese Gefahr aufseiten des Palasts eingeschätzt wurde, zeigten die deutlichen Zurückweisungen des zweitältesten Sohns des Königin: Andrew war schon länger aus der Öffentlichkeit verschwunden, dann entzog ihm die Queen alle militärischen Dienstgrade und Schirmherrschaften und zuletzt erklärte man ihn zur „Privatperson“, die sich ohne alle royalen Würden vor Gericht zu verantworten habe. Wie auch immer, der Palast ist einigermaßen glimpflich davongekommen, die große Schlammschlacht blieb ihm erspart. Ist also alles in Ordnung?

Eine Farce: Die Missbrauchsopfer werden verhöhnt

Keineswegs, denn das ist nur die eine Seite – jene Seite der Raison d’Être der Monarchie gewissermaßen. Denn ihre Rettung ging auf Kosten der Wahrheit: Den ungeheuren Vorwürfen gegen Andrew wird nun wohl nicht mehr juristisch nachgegangen werden. Unverständlich ist deshalb, warum Virginia Giuffre so früh auf Andrews finanzielles Angebot eingegangen ist, wo es ihr doch mit ihrer Stiftung „Speak Out, Act, Reclaim“ gerade um die Missbrauchsopfer geht, nicht zuletzt denen des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein und seiner Helferin Ghislaine Maxwell.

Die Opfer dürfen sich geradezu verhöhnt fühlen, wenn Prinz Andrew jetzt über seine Anwälte nicht nur „den Mut von Frau Giuffre und der anderen Überlebenden“ lobt, sondern sich gleich noch dafür rühmt, dass er Giuffres Stiftung mit seinem Geld unterstützt. Prinz Andrew als Kämpfer gegen den sexuellen Missbrauch? Eine Farce! Daran ändert auch nichts, dass Andrews Ruf zerstört ist, wie es mit Genugtuung oder Schadenfreude nun überall heißt, die Einigung mit Giuffre wäre doch ein Schuldeingeständnis. Nein, ist sie nicht – und der Ruf des Prinzen schon lange ruiniert.