Berlin - Wolfgang Joop ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen und verbal auch schon mal über die Stränge zu schlagen. Als Gastjuror bei „Germany’s Next Topmodel“ (als der er in den letzten Jahren zu neuer Beliebtheit und Bekanntheit in der jungen Zielgruppe gelangte) mussten sich Kandidatinnen von ihm anhören, sie seien „ein schönes großes Sektglas, aber da sprudelt’s nicht“, oder dass sie ein bisschen eng gingen, „so als ob du eine Zitrone schälen willst beim Laufen.“ Im vergangenen Jahr beklagte der Modeschöpfer am Rande der Berliner Fashion Week den fehlenden Humor in seiner Branche: „Es ist ja alles so unlustig, diese Pradas und diese Diors.“

Nun aber wird es für den 76-jährigen Designer selbst unlustig. Grund sind seine Aussagen in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Er habe bei Karl Lagerfelds Tod geweint, sagte Joop im Laufe des Gesprächs, „weil diese Welt so wunderbar frivol und frigide war. Alles war käuflich. Die Agenturen gaben die Schlüssel zu den Zimmern der Models, die nicht so viel Geld brachten, an reiche Männer. Und wenn sich ein Mädchen beschwerte, hieß es: Wir können auch auf dich verzichten.“

„Verherrlichung von Gewalt und Demütigung von Frauen“

Joop stimmte auf Nachfrage zwar zu, dass dies fürchterlich sei. „Aber wirklich schön ist die Modewelt nur, wenn es auch die Sünde gibt.“ In den sozialen Medien hagelte es für diese Aussagen Kritik, etliche Nutzer ließen ihrer Empörung freien Lauf. Die Grünen-Europaabgeordnete Katrin Langensiepen sprach auf Twitter von einer „Verherrlichung von Gewalt und Demütigung von Frauen“. Die Berliner Familienrechtlerin Asha Hedayati schrieb, sie verstehe, dass sich alle über die Aussage von Joop aufregten, kritisierte aber auch, dass der Spiegel nicht weiter nachgefragt habe und diese „misogyne Aussage“ so stehen lasse. „Was für eine eklige Verharmlosung von Vergewaltigung“, so die Anwältin.

Auch bei Facebook und Instagram gab es wütende Reaktionen. Unter den aktuellen Posts mit Bildern aus der Herbst-/Winterkollektion seiner Modelinie Looks beschimpften User den in Potsdam geborenen Designer. Sie sei über die „Verherrlichung von sexuellem Missbrauch“ maßlos schockiert, schrieb eine Nutzerin und verwendete den Hashtag #boycottjoop, der auch auf anderen Netzwerken bereits die Runde macht. 

Wolfgang Joop hatte seine Karriere 1970 begonnen. Er ist der Gründer der Mode- und Kosmetikfirmen JOOP! und Wunderkind. Seine letzte Wunderkind-Kollektion präsentierte er im März 2017 während der Mailänder Modewoche.

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