Hinter Bill Cosby, 83, lagen mehr als 50 Jahre in der Unterhaltungsindustrie, bevor er im Jahr 2018 als Sexualstraftäter verurteilt wurde. Jeder kannte den Komiker aus der nach ihm benannten „Bill Cosby Show“, in der er den Familienvater und Frauenarzt Dr. Cliff Huxtable spielte – und die auch auf Cosbys Idee zurückging. In der Serie wurden wohlhabende Afroamerikaner dargestellt, die alltägliche Dinge erlebten. Dieser Plot war in den Achtzigern alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Die Show, die von 1984 bis 1992 auf NBC lief, wurde zu einer der erfolgreichsten Sitcoms im US-Fernsehen.

Es sollte viele Jahre dauern, bis die Welt von einer anderen Seite des Entertainers erfuhr – dabei hatten Gerüchte über sein Treiben im Showbusiness seit Jahren kursiert. Doch viele seiner Opfer trauten sich nicht vor Gericht zu gehen. Jene, die es doch taten, wurden mit hohen Geldsummen zum Schweigen gebracht.

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So kannte ihn jeder: Bill Cosby als Familienvater Cliff Huxtable, hier eine Folge der Sitcom aus dem Jahr 1986 mit einem Gastauftritt von Stevie Wonder.

Unter Drogen gesetzt und missbraucht

Im Jahr 2005 etwa machte Andrea Constand, eine frühere Basketballspielerin, die den berühmten Fernsehstar einst an der Temple-Universität kennengelernt hatte, ihre Vorwürfe gegen Cosby geltend: Er habe sie unter Drogen gesetzt und missbraucht. Ein Strafrechtsverfahren wurde mangels Beweisen eingestellt. Im Zivilrechtsprozess meldeten sich auch andere Frauen als Zeugen. Der Prozess endete 2006 zunächst mit einer außergerichtlichen Einigung.

Acht Jahre später brachte ein Comedian, der Cosby öffentlich als Vergewaltiger bezeichnet hatte, erneut Bewegung in die Sache: Eine Zeugin des Zivilprozesses erklärte gegenüber der Washington Post, Cosby habe sie 1985 als 17-Jährige unter Drogen gesetzt und vergewaltigt. Nach und nach meldeten sich insgesamt 57 Frauen mit ähnlichen Vorwürfen, die meisten waren jedoch bereits verjährt. Cosby wies die Anschuldigungen stets durch seine Anwälte zurück und absolvierte weiterhin öffentliche Auftritte, während seine Sendungen von immer mehr Kanälen gestrichen wurden.

Es sollte bis zum 5. Juni 2017 dauern, bevor erneut ein Strafverfahren gegen den Entertainer begann. Ein anderer Staatsanwalt hatte den Vorwurf des Missbrauchs von Andrea Constand erneut aufgegriffen. Cosby verteidigte sich, die Handlungen seien einvernehmlich gewesen. Ein knappes Jahr später wurde der seit 1964 verheiratete Vater von fünf Kindern wegen sexueller Nötigung schuldig gesprochen.

In Pennsylvania, wo Zeitfenster für eine Haftstrafe üblich sind, verurteilte man ihn 81-jährig zu drei bis zehn Jahren Haft. Gutachten attestierten ihm, dass er ein „gewalttätiger Nachsteller“ sei, was zur Folge hat, dass sich Cosby lebenslang einer Therapie oder psychologischer Beratung unterziehen muss.

Cosby hofft weiter darauf, dass seine Verurteilung aufgehoben wird

Doch an die Auflagen scheint sich der Häftling nicht zu halten – und daher kommt Cosby, wie jetzt bekannt wurde, auch nicht auf Bewährung frei. Die Bewährungskommission des Bundesstaates Pennsylvania habe sich dagegen ausgesprochen, berichteten US-Medien am Donnerstag unter Berufung auf einen schriftlichen Bescheid des Ausschusses vom 11. Mai. Demnach bemängelte die Behörde unter anderem, dass Cosby nicht an Therapiesitzungen für Sexualstraftäter teilgenommen habe.

Cosby, seine Familie, Freunde und Anwälte hätten diese Entscheidung erwartet, teilte Cosbys Sprecher Andrew Wyatt laut Deadline.com mit. Der 83-Jährige habe von Beginn an auf seine Unschuld gepocht und sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen. Er hoffe weiter darauf, dass seine Verurteilung aufgehoben oder ein neues Verfahren genehmigt werde. Auch zahlreiche seiner früheren Anträge auf Berufung und vorzeitige Haftentlassung waren abgelehnt worden. Beim höchsten Gericht in Pennsylvania hat er einen weiteren Berufungsantrag laufen.