Sexueller Missbrauch: Prinz Andrew muss sich erneut Vorwürfen stellen

„Andrew sollte dankbar sein, dass er nicht im Gefängnis sitzt“, so ein Jurist über den Skandal um den sexuellen Missbrauch im britischen Königshaus.

Das britische Königshaus kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Nun muss sich Prinz Andrew, hier mit Prinz Harry im Hintergrund, erneut Missbrauchsvorwürfen stellen.
Das britische Königshaus kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Nun muss sich Prinz Andrew, hier mit Prinz Harry im Hintergrund, erneut Missbrauchsvorwürfen stellen.PA Wire

Im Fall der Vorwürfe gegen Prinz Andrew wegen einer Verwicklung in den Missbrauchsskandal um den mittlerweile verstorbenen US-Multimillionär Jeffrey Epstein haben zwei Medienberichte Aufsehen erregt.

Der Bruder von König Charles III. will nach Informationen der britischen Boulevardzeitung The Sun juristisch gegen die erneuten Vorwürfe vorgehen. Er werde argumentieren, dass er sein mutmaßliches Opfer Virginia Giuffre nie getroffen habe und dass ein Foto, das die beiden vor gut 20 Jahren gemeinsam zeigt, gefälscht sei, berichtete das Boulevard-Blatt zum Wochenbeginn.

Prinz Andrew und Virginia Giuffre einigten sich außergerichtlich

Die Amerikanerin Virginia Giuffre hatte Andrew vorgeworfen, sie als Minderjährige mehrfach missbraucht zu haben. Bevor es zu einem Prozess kam, einigten sich Giuffre und Andrew außergerichtlich. Im Gegenzug zahlte der Prinz Berichten zufolge mehrere Millionen Pfund.

Die mittlerweile verurteilte Sexualstraftäterin Ghislaine Maxwell, die ebenfalls auf dem Foto zu sehen ist, äußerte sich aus dem Gefängnis. Das Bild sei gefälscht, behauptete sie in einem Interview, das am Montagabend im britischen Sender Talk TV ausgestrahlt werden sollte. Maxwell, die langjährige Vertraute von Epstein, war im Sommer letzten Jahres zu 20 Jahren Haft verurteilt worden, weil sie eine zentrale Rolle beim Aufbau eines Rings zum sexuellen Missbrauch von Mädchen gespielt hatte.

„Andrew sollte dankbar sein, dass er nicht im Gefängnis sitzt“

US-Anwälte, die mehrere Opfer des verurteilten Sexualstraftäters Epstein vertreten, sagten der britischen Zeitung Mirror, der 62-jährige Sohn der verstorbenen Elizabeth II. müsse zu der Einigung stehen. Seine Chancen seien äußerst gering. „Andrew sollte dankbar sein, dass er nicht im Gefängnis sitzt“, sagte der Jurist Spencer Kuvin.

„Andrew hat immer betont, dass er unschuldig ist und will es endlich vor einem US-Gericht beweisen“, zitierte die Sun eine „royale Quelle“. Der Prinz sei unter Druck gesetzt worden, den Fall beizulegen, um den 70. Throngeburtstag seiner Mutter Queen Elizabeth II. im Juni 2022 nicht zu überschatten. Der Herzog von York habe persönlich wie beruflich einen hohen Preis bezahlt. Er tritt seit Jahren kaum noch in der Öffentlichkeit auf und musste im Zuge der Affäre seine militärischen Ehrentitel abgeben.

Berichte über einen möglichen Rechtsstreit zwischen Prinz Andrew und Virginia Giuffre, die ihm Missbrauch vorgeworfen hat, stoßen bei Experten indes auf Skepsis. „Selbst wenn Prinz Andrew erfolgreich wäre, und das ist ein riesiges „Wenn“, kann ich mir nicht vorstellen, dass er danach wieder öffentliche Aufgaben übernehmen könnte“, sagte der Monarchie-Beobachter und Verfassungsrechtler Craig Prescott von der Universität Bangor. Die meisten Stiftungen und Organisationen hätten sich längst von dem 62-Jährigen distanziert. (mit dpa)