Prinz William, 38, und Prinz Harry, 36, haben mit deutlich Worten auf die Untersuchung des legendären BBC-Interviews mit ihrer Mutter, Prinzessin Diana (1961–1997), reagiert. Der am Donnerstag veröffentlichte Bericht hatte ergeben, dass ein Reporter der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt gefälschte Dokumente eingesetzt hatte, um Zugang zu Diana zu erhalten. Später hatte die BBC das Fehlverhalten vertuscht.

Das Interview habe einen „wesentlichen Beitrag“ geleistet, dass sich die Beziehung seiner Eltern verschlechtert habe, sagte William in einer Videobotschaft. „Es ist meine Sicht, dass die betrügerische Weise, in der das Interview zustande kam, substanziell beeinflusst hat, was meine Mutter sagte“, so der britische Thronfolger weiter. Das Versagen der BBC habe erheblich zu ihrer Angst, Paranoia und Isolierung beigetragen.

Der BBC-Reporter Martin Bashir hatte dem Bruder Dianas, Charles Spencer, gefälschte Kontoauszüge vorgelegt, die beweisen sollten, dass Diana von Menschen in ihrem Umfeld bespitzelt wird. Spencer fädelte daraufhin ein Treffen mit Diana ein. Die plauderte dann frank und frei vor mehr als 200 Millionen Fernsehzuschauern weltweit über die emotionale Kälte am Hofe und die Untreue ihres Gatten Prinz Charles.

William erhob schwere Vorwürfe gegen die damalige Führungsebene der BBC, die weggeschaut habe, statt harte Fragen zu stellen. Ihm mache vor allem traurig, dass die bereits 1995 aufgekommenen Bedenken und auch Beschwerden nicht untersucht worden seien. „Meine Mutter wäre sich bewusst geworden, dass sie betrogen wurde“, so William. Das Interview solle nie wieder ausgestrahlt werden, forderte William.

Prinz Harry: BBC trägt Mitschuld am Tod Dianas

Sein Bruder Harry machte das Fehlverhalten der Medien für Dianas Tod verantwortlich. „Der Welleneffekt einer Kultur der Ausbeutung und der unethischen Praktiken hat sie letztendlich das Leben gekostet“, sagte er in einer Mitteilung. Diana starb 1997 bei einem Autounfall auf der Flucht vor Paparazzi mit ihrem damaligen Freund Dodi Al Fayed in Paris. „Praktiken wie diese – und schlimmere – sind noch immer weit verbreitet.“

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Dianas Bruder Charles Spencer in der BBC: „Sie wusste nicht, wem sie vertrauen sollte.“

Wie Harry erhob auch Dianas Bruder im Anschluss an die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts die Anschuldigung, das Interview habe zum Tod der Prinzessin beigetragen. „Sie wusste nicht, wem sie vertrauen sollte, und schließlich, als sie zwei Jahre später starb, war sie ohne irgendeine Form wirklichen Schutzes“, erklärte Charles Spencer gegenüber der BBC. (mit dpa)