Die Prügelprinzen: Harry wirft William körperlichen Angriff vor

Über britische Medien gelangen Vorwürfe gegen das Königshaus an die Öffentlichkeit. Der Palast schweigt erwartungsgemäß.

Offenbar nicht immer ein Herz und eine Seele: Prinz William (l.) und sein abtrünniger Bruder Harry, der seine Biografie verfasst hat.
Offenbar nicht immer ein Herz und eine Seele: Prinz William (l.) und sein abtrünniger Bruder Harry, der seine Biografie verfasst hat.AP

Ein böses Wort zu viel, ein Stoß von William - und Prinz Harry liegt am Boden, verletzt von Scherben eines zerbrochenen Hundenapfs. So zumindest schildert der Royal einem Bericht zufolge in seiner Biografie den wohl heftigsten bislang bekannten Streit zwischen ihm und dem Mann, der nicht nur sein Bruder, sondern auch britischer Thronfolger ist. Der „Guardian“ und andere britische Medien sicherten sich am Donnerstag bereits Exemplare des eigentlich noch streng geheimen Buchs - und geben einen ersten Einblick in die Abgründe der nahenden royalen Eskalation. Harrys Autobiografie „Spare“ (deutsch: „Reserve“) soll am 10. Januar erscheinen.

Prinz William soll Meghan als unhöflich bezeichnet haben

„Es ging alles so schnell. Sehr schnell. Er packte mich am Kragen, zerriss meine Kette und warf mich zu Boden“, zitiert der „Guardian“ Harrys Schilderungen über den Streit vor mehr als drei Jahren. Prinz William soll Harrys Frau Meghan nach dessen Darstellung zuvor als „schwierig“ und „unhöflich“ beschrieben haben, woraufhin Harry seinem Bruder vorwarf, das Narrativ der britischen Boulevardpresse zu übernehmen.

„Sun“ und „Daily Mail“ berichteten später über eine Passage, in der Harry erzählt, er und William hätten Charles vor Jahrzehnten inständig gebeten, dessen Partnerin Camilla - heute Königin Camilla - nicht zu heiraten. Der Palast kommentierte all das zunächst nicht.

Harry wird in seiner Autobiografie deutlich mehr austeilen

Ob das Königshaus seine Devise „Never complain, never explain“ (deutsch: „Niemals beschweren, niemals erklären») weiter durchhalten kann, ist fraglich. Sicher scheint, dass Harry in seiner Autobiografie deutlich härter gegen seine Familie austeilen wird als in der Netflix-Dokuserie «Harry & Meghan», die vor Weihnachten erschienen ist. Darin erzählt das Paar seinen Ausstieg aus dem Königshaus nach, geht aber vor allem mit dem britischen Boulevard ins Gericht. Diesmal dürfte der Familienfrieden, der zumindest nach dem Tod von Queen Elizabeth II. oberflächlich wieder hergestellt schien, in die Brüche gehen. „Zeit mag Wunden heilen, aber es ist schwer vorstellbar, wie sich die Brüder davon erholen und wieder Vertrauen aufbauen sollen, wenn einer von beiden die Kluft sehr öffentlich mit dem Rest der Welt teilen möchte“, kommentiert der Sender Sky News.

Dass das schwierige Verhältnis der Brüder auch die Familie belastet, soll in Harrys Buch explizit zur Sprache kommen. Bei einem Treffen nach der Beerdigung von Prinz Philip im Jahr 2021 soll Charles - damals noch Thronfolger - seine Söhne gebeten haben: „Bitte Jungs. Macht meine letzten Jahre nicht zu einem Elend“, erinnert sich Harry dem „Guardian“ zufolge.

Ob Harry an der Krönung seines Vaters im Mai teilnimmt, ist noch offen

Aktuell ist für „Spare“ eine Geheimhaltungsoperation im Gange, die mit jener der Harry-Potter-Serie verglichen wurde, aber anscheinend schief ging: Nach Angaben britischer Medien gelangte das Buch des Prinzen in Spanien bereits am Donnerstag versehentlich in den Handel. Der britische Nachrichtensender Sky News berichtete, die Bücher seien am Donnerstag in den Auslagen einer großen Buchhandelskette in Spanien verfügbar gewesen, „und dann hastig entfernt worden, nachdem der Fehler auffiel“. Eine Reaktion des Verlags Penguin Random House auf die Berichte lag zunächst nicht vor.

Noch bevor das Buch seine volle Wucht entfaltet hat, scheint sich der Autor gleichzeitig um Schadensbegrenzung zu bemühen. „Die Tür ist immer offen“, sagt Harry in einem Teaser für ein ITV-Interview, das der britische Sender am Sonntag ausstrahlen will. Er hoffe, dass seine Familie bereit sei, sich zusammenzusetzen und über alles zu reden.

Auf die Frage, ob er an der Krönung seines Vaters im Mai teilnehmen wolle, antwortet der 38-Jährige ausweichend: „Bis dahin kann viel passieren.“ Im gleichen Interview offenbart Harry jedoch auch, er wünsche sich William und seinen Vater „zurück“. Der Ball liege nun aber im Spielfeld des Palastes. (dpa)