Prinz William, 38, und Herzogin Kate, 39, sind das vollendete Paar. Ein Glücksfall für die britische Monarchie. Sie sind skandalfrei und – mit Verlaub – stubenrein, sie waschen nicht in aller Öffentlichkeit die schmutzige Wäsche des Königshauses, sie geben keine peinlichen Fernsehinterviews im amerikanischen Fernsehen, sie plaudern keine Geheimnisse aus dem engsten Familienkreis aus, sie sprechen nicht über Rassismus oder Kolonialismus in den eigenen durchlauchten Reihen – William und Kate sind einfach so ernüchternd anders als die abtrünnigen Sussexe, als die postroyalen Albtraumwandler Prinz Harry, 36, und Herzogin Meghan, 39 mit ihrem brandgefährlichen Selbstverwirklichungsfimmel.

Mittelständisches Spießerglück und Familienbiedermeier

William und Kate sind die Hoffnungsträger des britischen Königshauses: Sie stehen für den moderaten Wandel in die Moderne und zelebrieren ihn als mittelständisches Spießerglück – hier, in der Mitte des Familienbiedermeier und nicht im glamourösen Charity-Jetset, haben die beiden ihre Heimat gefunden. Und wie um das zu bestätigen, veröffentlichten sie zum Hochzeitstag ein Video und Fotos, die an einträchtiger Harmlosigkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Der Weg dorthin war geradlinig und erfolgreich: Es gibt nicht wenige Royals-Fans, die sich William direkt und ohne den Umweg über seinen Vater Prinz Charles, 70, zum König wünschen, wenn seine Großmutter Elizabeth II.,  95, einmal stirbt.

Doch nun steht erst einmal die Rosenhochzeit an. Sie bedeutet gute Nachrichten für das Königshaus, denn kurz nach der Trauerfeier für Prinz Philip ist der Jahrestag ein Zeichen, dass das Leben und also auch die Dynastie weitergeht. Eine Erinnerung an die Trauung in der Kathedrale Westminster Abbey am 29. April 2011 dürften viele Bilder noch im Kopf haben. Kates atemberaubendes Kleid, ihre Schwester Pippa Middleton als Brautjungfer im figurbetonten Kostüm, der blaue Himmel und Williams Lächeln in roter Paradeuniform. Und dann der öffentliche Kuss des frischbackenen Ehepaares auf dem Balkon des Buckingham-Palasts, von Millionen Menschen an den Bildschirmen erwartet und erhofft.

Bei dieser Prachtentfaltung kam auch der Boulevard auf seine Kosten. Die royale Soap muss schließlich weitergehen, eine Unterbrechung bei der mehr oder weniger täglichen Belieferung mit Bildern, Gefühlen und all dem anderen Affektgedöns – eine Unterbrechung wird übel genommen. Das Ergebnis dieser Mühen sollte dann ganz genau so sein wie bei Seyi Obakin, dem Chef der Wohltätigkeitsorganisation Centrepoint, der vor zehn Jahren dabei war und jetzt gegenüber dem Daily Mirror immer noch von der „Märchenhochzeit“ schwärmt: „Man konnte die Aufregung des Tages in ihren Gesichtern sehen – und in seinem Gesicht den Stolz, dass er … jemanden heiratet, den er wirklich liebt.“ Wahre, echte Liebe!

AFP/Carl de Souza
Eine Märchenhochzeit, in bester Erinnerung: William und Kate am 29. April 2011 in Westminster Abbey.

Und damit ist der Mann sehr nah an Williams und Kates Betriebsgeheimnis gekommen: Sie wirken authentisch – ungekünstelt, wirklich, echt. Dabei drängen sie sich nicht auf, sondern reihen sich affektkontrolliert und dienstbeflissen ins schönste Mittelmaß ein. Sie haben mittlerweile drei Kinder. Zur erneuten royalen Woche passt, dass Prinzessin Charlotte kurz nach dem Ehrentag ihrer Eltern sechs Jahre alt wird – am 2. Mai. Nur selten sieht man die jüngere Schwester von Irgendwann-einmal-König Prinz George, 7, in der Öffentlichkeit. Vielleicht gibt es ein neues offizielles Bild der Prinzessin, fotografiert von Mutter Kate – wie schon vom jüngsten Sohn Prinz Louis zu dessen drittem Geburtstag am vorigen Freitag.

Was für eine beschauliche Idylle! So sollte es immer sein: Royals sind keine Popstars! Alles geht seinen geregelten Gang: Zu Rosenhochzeit werden aus aller Welt Glückwünsche eintreffen. Eintracht, wohin man schaut: „Kate und die Queen verstehen sich fantastisch“, erklärt der Duncan Larcombe, einst Royals-Experte der Sun. „Kate schafft es, dieses Gleichgewicht zu halten zwischen der Verbeugung vor ihr als Oberhaupt der königlichen Familie in der Öffentlichkeit sowie der Möglichkeit, sich bei ihr als Urgroßmutter ihrer Kinder zu melden.“ Catherine Middleton, so ihr bürgerlicher Name, fällt seit Jahren mit vollem Einsatz für die „Firma“ auf, wie die Royals sich mitunter selbst nennen.

Demonstrativ dargestellte Normalität: Wir sind einfache Leute

Und auch William hat seinen Platz, seine Betätigungsfelder gefunden. Und dabei eröffnet er nicht nur Brücken oder Schulen oder besucht Alte und Kranke, sondern riskiert schon mal eine steile Meinung, wenn er die Mehrheit der Menschen hinter sich weiß: In seiner Rolle als Präsident des englischen Fußballverbands FA kritisierte er erst kürzlich die Idee einer exklusiven Super League für die reichen Clubs. Darüber hinaus engagiert er sich gemeinsam mit Naturfilmer David Attenborough für die Umwelt und tritt damit in die Fußstapfen seines Vaters Charles. Auch die psychische Gesundheit ist ihm wichtig, zu diesem Thema sprach er unter anderem schon auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. William – ein Kümmerer.

Und immer wieder diese demonstrativ dargestellte Normalität und Nahbarkeit. Noch am Dienstag besuchten William und Kate eine Lammfarm in Durham in ganz bodenständiger, wind- und regendichter Funktionskleidung – sie stiegen sogar auf einen Traktor und saßen auf Strohballen. Oder: „Zu Hause sind sie einfach nur William und Kate“, schwärmte das Magazin People im April. „Er bereitet Tee für die Gäste, sie serviert vielleicht Enchiladas.“ Wie alle anderen Eltern hätten sie in der Pandemie wegen Homeschooling mehr zu tun und würden sich die Aufgaben teilen. „Ich bin eine Friseurin geworden, sehr zum Entsetzen meiner Kinder“, erzählte Kate während des Corona-Lockdowns. 

Klar ist: Der zehnte Hochzeitstag ist trotz Pandemie ein besonderer. Natürlich wird es keine große Feier geben, aber die gelockerten Corona-Auflagen würden ein Treffen mit Familienmitgliedern im Freien erlauben. Zudem ist die von der Queen verordnete, zweiwöchige Trauerzeit für Prinz Philip vorbei. Die Hoffnungen von Royals-Fans werden sich aber nicht so bald erfüllen: Bis William den Thron besteigt, wird es noch dauern. Dass sein Vater Charles nach Jahrzehnten in Wartestellung auf die Krone verzichtet, halten Königshaus-Beobachter für unwahrscheinlich. (mit dpa)