Senta Berger, 79, ist für ihre Meinungsfreude bekannt und mischt sich gern mal filigran, mal robust in das aktuelle Diskussionsgeschehen ein. Der Wochenzeitung Die Zeit vertraute die Schauspielerin jetzt an, dass sie in der sogenannten MeToo-Debatte manchmal den Bezug zur Wirklichkeit vermisse. „Die Machtverhältnisse ändern sich, das Geschlechterverhältnis ändert sich“, so ihr Befund, „aber meiner Ansicht nach wird zu viel über die Sprache und Gendersternchen diskutiert und zu wenig über die realen Verhältnisse. Und zu viel über Schauspielerinnen und zu wenig über Putzfrauen oder Busfahrerinnen.“

Senta Berger: „O. W. Fischer hat versucht, mich zu vergewaltigen“

Dabei möchte sie die realen, zumal nach wie vor männlich dominierten Machtverhältnisse keineswegs wegdiskutieren. Sie erlebte nach ihrer Schilderung selbst eine Reihe sexueller Übergriffe während ihrer Karriere. Zum Umgang damit sagte sie: „Ganz jung habe ich in Wien am Theater in der Josefstadt gespielt. Es war noch die Zeit, als man in den Po gezwickt worden ist, kurz vorm Auftritt, von dem Schauspieler, der die Bühne verließ. Und ich hatte mir fest vorgenommen: Ich merke das gar nicht.“ Sie sei es vom Ballett her gewohnt gewesen, „mich so zu benehmen, als würde mir alles leichtfallen“.

Allerdings berichtet Berger auch von weitaus schwereren Übergriffen. Bei den Dreharbeiten zu „Es muss nicht immer Kaviar sein“ (1961) habe der Schauspieler O. W. Fischer versucht, sie zu vergewaltigen. „Danach hätte ich eigentlich sagen müssen: Ich kann morgen nicht mit Ihnen drehen und diesen Film nicht mit Ihnen machen. Aber O. W. Fischer hat gewusst, dass ich das nicht sagen würde“, schildert Berger in der Zeit ihr Lage. Nach den sechswöchigen Dreharbeiten habe sich O. W. Fischer dann mit dem Faust-Zitat „Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan“ bei ihr entschuldigt – auf offenkundig sexistische Weise.

Kirk Douglas wollte Berger gegen ihren Willen küssen

Und Berger wartet mit einer weiteren Ungeheuerlichkeit auf. Der Zeit erzählt sie auch von der Begegnung mit dem Schauspieler Kirk Douglas, der aus einer russisch-jüdischen Familie stammte: Er habe versucht, sie gegen ihren Willen zu küssen. Berger und Douglas hatten gemeinsam für den US-Kriegsfilm „Der Schatten des Giganten“ (1966) vor der Kamera gestanden. Als sie sich gewehrt habe, habe er sich mit dem Satz gerechtfertigt: „Your people killed my people“, so Berger. „Das fand ich eine unglaubliche Zusammenführung.“ Dennoch blieb sie auch hier ihrem Motto treu und empörte sich nicht.

Foto: Imago/Courtesy Everett Collection
Kirk Douglas und Senta Berger bei den Dreharbeiten zu „Im Schatten der Giganten“.

Sie habe „keinem dieser Herren das Vergnügen meiner Empörung bereiten“ wollen, so Berger. In dem Zusammenhang habe sie der Fall des wegen Vergewaltigung verurteilten Produzenten Harvey Weinstein nicht wirklich erstaunt.