Prinz Andrew, 61, versucht nach wie vor, sich einer in den USA gegen ihn laufenden Missbrauchsklage zu entziehen. So hat es der Royal bislang erfolgreich geschafft, den Start des Prozesses hinauszuzögern, indem er schlicht „nicht erreichbar“ war. Um das Possenspiel zu beenden, willigte das Londoner High Court ein, die förmliche Überstellung der Klageschrift zu übernehmen. Und schon folgt der nächste Winkelzug: Wie das Gericht am Freitag mitteilte, habe das Anwaltsteam des zweitältesten Queen-Sohns angekündigt, gegen diese Überstellung vorzugehen.

Den Prinzen mit allen Tricks aus der Schusslinie bringen

Ob das noch eine Rolle spielen wird, wird sich zeigen. Denn fast zeitgleich ordnete der zuständige Richter in New York an, die Dokumente könnten auch an Andrews Anwalt in Los Angeles übermittelt werden. Unklar war zunächst, ob Andrews Anwälte auch dagegen Einspruch einlegen wollen. Derzeit versuchen sie, die Zuständigkeit des New Yorker Gerichts ganz allgemein in Zweifel zu ziehen. Gelänge dies, so wäre eine Zustellung nicht mehr möglich. Kurzum, derzeit soll der Prinz mit allen Tricks aus der Schusslinie gebracht werden.

Die Klageschrift war dem Herzog von York am 27. August zugestellt worden – allerdings nicht persönlich. Ein Vertreter der Klägerin Virginia Giuffre musste eidesstattlich erklären, dass er das Dokument einem Polizisten am Eingang der Residenz des Prinzen im englischen Windsor übergeben habe. Dabei handle es sich um dessen „letzte bekannte Adresse“. Andrew soll sich derzeit auf dem abgelegenen Schloss Balmoral im Nordosten Schottlands aufhalten. Er war 2019 in Folge der Missbrauchsvorwürfe von seinen royalen Pflichten zurückgetreten.

Die heute 38-jährige Guiffre wirft Prinz Andrew vor, sie vor mehr als 20 Jahren als Minderjährige mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Sie gibt an, von dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein an Prinz Andrew für den sexuellen Missbrauch „ausgeliehen“ worden zu sein, und verlangt Schadenersatz. Der Multimillionär Epstein soll jahrelang minderjährige Mädchen und junge Frauen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben.

Der Prinz wies die Anschuldigungen stets zurück und erklärte, sich nicht an ein Treffen mit Giuffre erinnern zu können. Der Kriegsveteran und ehemalige Hubschrauberpilot ist geschieden und hat zwei Kinder. (mit AFP)