Sharon Stone, 53, hat nun endlich ihre Autobiografie veröffentlicht. In den letzten Wochen ließ die Schauspielerin kaum eine Gelegenheit aus, mit allerlei Sensationen für „The Beauty of Living Twice“ zu werben. Einer der letzten Stunts erfolgte im Times Magazine, dem Stone von einer Brust-OP zur Entfernung gutartiger Tumore im Jahr 2001 erzählte: Dabei seien ihr ungefragt Brustimplantate eingesetzt worden. Beim Aufwachen habe sie eine Körbchengröße mehr gehabt und der zuständige Chirurg ihr gesagt, die neuen Brüste „passen besser zur Hüftbreite … Er hat meinen Körper ohne mein Wissen oder Einverständnis verändert.“

Stones Abrechnung mit dem „Basic Instinct“-Regisseur

Unter den Einsichten, die uns Stone in ihrem neuen Buch gewährt, finden sich auch weniger ernste, wie zum Beispiel die Anekdote von einer Beinahe-Prügelei mit dem Kollegen Michael Douglas. Die beiden waren offenbar während Dreharbeiten aneinandergeraten, alsbald drohte, aus dem verbalen Schlagabtausch ein handgreiflicher zu werden. „Wir sind raus und haben uns wie in der Highschool voreinander aufgebaut,“ erinnert sich Stone, „ich sagte zu ihm ‚Du hast keine Ahnung, mit wem du es zu tun hast‘. Und er meinte ‚Und du weißt nicht, wer ich bin‘.“ Den Grund für die Aufregung erfahren wir leider nicht.

Zum Glück kam es nicht zu Handgreiflichkeiten, denn sonst hätten die beiden Schauspieler möglicherweise nicht mehr für den Thriller „Basic Instinct“ zusammengefunden – er sollte Stone weltberühmt machen. Apropos, zu dem Film hat sie die schockierende Anekdote beizutragen, dass Regisseur Paul Verhoeven ihr beim Dreh versichert habe, dass in jener Szene, in der sie während eines Verhörs die Beine übereinanderschlägt, nicht ihre Vulva zu sehen sei – sie solle ihre weiße Unterhose nur aus Gründen der besseren Belichtung ausziehen. Es kam bekanntlich anders und die Szene ging in die Filmgeschichte ein.

Foto: Imago/TriStar Pictures/Courtesy Everett Collection
Sharon Stone schlägt in „Basic Instinct“ die Beine übereinander: „Ich habe Paul eine Ohrfeige gegeben.“

Verhoeven hatte sie angelogen. Als Stone den fertigen Film sah, sei sie schockiert gewesen. „Ich wurde vom Regisseur in einen Raum voller Agenten und Anwälte gerufen … Ich bin nach vorne, habe Paul eine Ohrfeige gegeben, bin wieder raus zu meinem Auto und habe meinen Anwalt angerufen.“ Stone schreibt, dass sie von Verhoeven verlangt habe, die Vulva-Szene zu schneiden: „Er hat mir gesagt, dass ich keine Wahl hätte. Weil die Szene perfekt zum Film und meiner Filmfigur passt. Er hat mich daran erinnert, dass ich die Catherine Tramell unbedingt spielen wollte.“ So gab Stone am Ende nach.

Onlinedating: „Ich habe gelernt, wie Männer wirklich sind.“

Im Weiteren erfahren wir alles über den Schlaganfall, den sie 2001 erlitt und der ihr Leben, wie der Titel ihres Buchs sagt, in zwei Hälften zerschnitt: An der folgenden Hirnblutung wäre sie fast gestorben, im Zuge des sieben Jahre langen Heilungsprozesses seien die Jobangebote aus Hollywood ausgeblieben und sie habe den Sorgerechtsstreit um ihren Adoptivsohn Roan verloren. Stone, die inzwischen mit Roan wieder vereint ist und mit zwei weiteren Adoptivkindern zusammenlebt, ist derweil seit Jahren Single. Vor einigen Jahren wurde sie von der Dating-App „Bumble“ gesperrt, so erzählt sie, weil angenommen wurde, ihr Profil wäre ein Fake.

Dennoch, während der Corona-Pandemie hat sie das Onlinedating erneut ausprobiert, erzählt Stone jetzt dem Times Magazine. „Es war eine coole Lernerfahrung während Covid. Man kann sich nicht treffen: Das ist eine Art von Freiheit“, berichtet sie von dieser digitalen Gespensterwelt. Immerhin habe sie viele besondere Gespräche geführt und auch etwas mehr darüber gelernt, „wie Männer denken und wie sie wirklich sind“. Eine Beziehung sei daraus jedoch nicht entstanden. „Ich weiß nicht, ob ich eine Person bin, die noch eine Beziehung in ihrem Leben führen wird“, gibt sich Stone eher nachdenklich, aber, so die Schauspielerin: „Ich hoffe es.“

Sexueller Missbrauch durch Großvater und Großmutter

Zum dunkelsten Kapitel in ihren bunt gemischten Lebenserinnerungen dürfte gewiss die Erzählungen aus ihrer Kindheit zählen: Sharon Stone und ihre Schwester Kelly, 60, wurden als als Kleinkinder von ihrem Großvater, Clarence Lawson, sexuell missbraucht – die Großmutter habe ihn dabei unterstützt. Der Albtraum war erst vorbei, als Lawson an einem Herzinfarkt starb. Bei der Beerdigung ging die damals 14-jährige Sharon zum offenen Sarg: „Ich habe ihm mit dem Finger in die Seite gestochen. Es kam eine kalte, bizarre Befriedigung über mich, dass er endlich tot ist. Ich habe Kelly angeschaut und sie hat es kapiert.“

Fürderhin sollte Stone ihr Leben selber bestimmen. So sei sie, erzählt Stone, auch von ihrem Vater Joseph körperlich schwer misshandelt worden: „Er hat mich auf den Boden geschmissen, mich von der Küche in den Keller gezogen und mit einem Gürtel auf Teufel komm raus auf mich eingeprügelt.“ Das ging so lange, bis Stone entschied, dass sie genug von der Gewalt hatte: „Ich habe verstanden, dass ich für etwas bestraft wurde, was ich nicht getan hatte. Da habe ich alle Ängste, eigentlich alle Gefühle verloren. Ich sah meinen Vater nur noch als Schwächling an.“

Stone: „Ich bin dankbar, es bis hierhin geschafft zu haben.“

Als er bei nächsten Mal nach ihr brüllte und sie verprügeln wollte, trat sie ihm furchtlos und cool entgegen. „Ich sagte ‚Was ist los, musst du wieder jemanden schlagen, damit du dich mehr wie ein Mann fühlst?‘ Da hat er angefangen zu weinen.“ Was die Tochter nicht davon abhielt, ihn nur kalt anzustarren und ohne mit der Wimper zu zucken zu verkünden: „Ich liebe dich nicht. Ich habe dich nie geliebt und ich werde dich nie lieben.“ Laut Stone brach es ihrem Vater das Herz: „Er hat uns nie wieder geschlagen. Ich war endlich frei. Von beiden.“

Stone schreibt, dass sie inzwischen wieder „Liebe“ und „Respekt“ für ihren Vater empfindet. Auch ihre Gefühle für ihre Mutter Dorothy haben sich verändert: „Ich sehe Dinge heute aus der Perspektive einer Erwachsenen. Ich weiß nicht, wie viel sie wusste oder ausgeblendet hat, um zu überleben. Ich muss ihr nicht vergeben oder sie retten. Ich bin dankbar, dass wir es beide bis hierhin geschafft haben. Sie respektiert mich dafür und ich sie.“  

Laut ihrem Buch baut sie gerade zum ersten Mal eine Beziehung zu ihrer Mutter, die Mitte 80 ist, auf: „Ich habe sie nie wirklich verstanden, aber so wie es ist, ist es ok für mich. Ich habe ein reines Herz und eine Seele, die nicht verbittert oder traurig ist. Ich bin nicht wütend und muss auch niemanden bestrafen.“