Berlin/London - Es war ein einziges Interview, mit dem es Prinzessin Diana gelang, die britische Monarchie in ihren Grundfesten zu erschüttern. Und es war ein Coup für die Sendeanstalt und den Reporter, der das Interview am 20. November 1995 geführt hatte. Mehr als 200 Millionen Menschen schalteten weltweit den Fernseher an, als die beliebte und volksnahe Diana gegenüber dem BBC-Reporter Martin Bashir frank und frei über die emotionale Kälte am Hofe und die Untreue ihres Gatten Prinz Charles plauderte.

Diana, sie war damals 34 Jahre alt und seit 14 Jahren mit Charles verheiratet, sagte damals über ihren als Thronfolger fungierenden Gatten, dieser sei wohl nicht für den „Top-Job“ – also König zu sein – geeignet. Besser wäre es, wenn ihr gemeinsamer Sohn William später direkt Elizabeth II. auf den Thron folgen würde. Nicht minder skandalös ging es weiter: Die 1997 tödlich verunglückte Mutter der Prinzen William und Harry, die zum damaligen Zeitpunkt schon von ihrem Mann getrennt lebte, bekannte: „Ich will keine Scheidung. Ich warte auf die Entscheidung meines Mannes über den Weg, den wir einschlagen sollen.“ Ob die Affäre von Charles mit Camilla Parker Bowles der Grund für das Scheitern ihrer Ehe gewesen sei, fragte der Reporter nach. „Nun, wir waren zu dritt in unserer Ehe. Das war ein bisschen viel“, antwortete die Prinzessin.

Ungewöhnlich offen waren Dianas Worte, die auch über ihre psychischen Probleme, ihre Bulimie und die eigene Untreue sprach – ein unerhörter Tabubruch mit weitreichenden Folgen. Charles reichte die Scheidung ein, Diana verlor in der Folge die Anrede Her Royal Highness und damit den Personenschutz.

Schon seit geraumer Zeit steht die Frage im Raum, wie das legendäre BBC-Interview überhaupt zustande kam. Am heutigen Donnerstag, mehr als 25 Jahre nach der Ausstrahlung des Gesprächs, hat die britische Rundfunkanstalt einen Untersuchungsbericht zu den Vorgängen im Vorfeld des Gesprächs veröffentlicht. 

Der Sender hatte diese Vorgänge in den vergangenen Monaten von John Dyson, einem früheren Richter am Obersten Gerichtshof untersuchen lassen. Seinem Report zufolge hat sich Bashir das Interview mithilfe von Täuschung verschafft und damit gegen interne Regeln des Senders verstoßen. Er habe Dianas Bruder Charles Spencer gefälschte Kontoauszüge vorgelegt, die belegen sollten, dass Mitarbeiter am Hof dafür bezahlt wurden, Diana auszuspionieren. Daraufhin machte Spencer seine Schwester mit Bashir bekannt. 

Der Bericht kritisierte auch führende BBC-Manager, die versucht haben sollen, den Betrug zu vertuschen. Die BBC hatte erst kürzlich mitgeteilt, dass Bashir aus gesundheitlichen Gründen den Sender verlässt. Strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn oder die BBC gibt es bislang nicht.

In einer Stellungnahme vom Donnerstagnachmittag gab der Sender an, sich bei einer Reihe von Personen, die mit den Ereignissen verbunden sind, entschuldigen zu wollen. Es habe „viel zu lange gedauert hat, die Wahrheit herauszufinden“. Der Journalist Bashir entschuldigte sich ebenfalls für die Methoden, mit deren Hilfe er sich das begehrte Interview erschlichen hatte. „Es war eine Dummheit, das zu tun, und es ist eine Tat, die ich zutiefst bedauere“, erklärte er.