Berlin - Carla Bruni hat in ihrem Leben schon eine Menge Rollen übernommen. Als Model lief sie für Valentino und Yves Saint Laurent über den Catwalk, als Schauspielerin stand sie für Robert Altman vor der Kamera, als Chansonsängerin, Komponistin und Texterin stürmte sie die französischen Charts. Den größten oder doch zumindest öffentlichkeitsträchtigsten Coup aber landete die gebürtige Italienerin im Jahr 2007. Damals kamen erstmals Gerüchte auf, Bruni sei mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy liiert. Kurz vor Weihnachten wurde das Paar dann bei einem gemeinsamen Ausflug ins Disneyland von Fotografen abgelichtet. 

Es gab im Anschluss noch einige Verwirrungen auf diplomatischer Ebene, bei Besuchen in Ländern, in denen unverheiratete Paare als ein schlechtes moralisches Beispiel gelten. Doch damit war spätestens nach der Eheschließung im Februar 2008 im Élysée-Palast Schluss. Bruni hatte nun eine weitere Rolle übernommen, die der Première Dame, der Präsidentengattin. Beobachter trauten der Beziehung anfangs keine lange Lebensdauer zu, schließlich war Bruni umtriebig unterwegs, Sarkozy bereits zweimal verheiratet gewesen. Inzwischen ist Sarkozys Präsidentschaft längst Geschichte – aber die Ehe hält. Auch wenn es in französischen Gesellschaftsmagazinen zuletzt immer wieder Spekulationen über eine Trennung des Paares, das eine gemeinsame Tochter hat, gab.

Foto: imago/Alexis Sciard
Nicolas Sarkozy und Carla Bruni vor einem Gerichtstermin in Paris im Dezember 2020.

Es sind schließlich recht unromantische Zeiten gerade. Zu Beginn des Monats ist Frankreichs ehemaliger Staatschef von einem Gericht in Paris wegen Bestechung und unerlaubter Einflussnahme zu drei Jahren Haft verurteilt worden, davon zwei Jahre zur Bewährung. In einem weiteren Prozess, der im Mai ansteht, wird dem einstigen Hoffnungsträger der bürgerlichen Rechten vorgeworfen, die Kampagne für seine Wiederwahl 2012 illegal finanziert zu haben. Auch hier droht eine Haftstrafe. 

Carla Bruni könnte zu all dem schweigen, hat sich aber für einen anderen Weg entschieden. Die 53-Jährige kommentierte bereits nach dem Urteil von Anfang März auf ihrem Instagram-Konto: „Welch sinnlose Verbissenheit, mein geliebter @nicolassarkozy“, und fügte den Hashtag #injustice (Ungerechtigkeit) hinzu. „Der Kampf geht weiter, die Wahrheit wird ans Licht kommen“, versicherte sie.

Die Message scheint klar: Bruni steht fest an der Seite ihres Mannes, ganz wie im Tammy-Wynette-Klassiker „Stand by Your Man“. Jetzt legte das ehemalige Topmodel nach. In einem Interview mit der spanischen Vanity Fair beteuerte Bruni, die 13 Jahre Ehe hätten ihrer Liebe keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: „Wenn mich jemand fragt, wer meine große Liebe ist, ist die Antwort: mein Ehemann. Mein Mann ist meine große Liebe.“ Sie sei so verliebt wie am ersten Tag.

Nicht nur Bruni steht ihrem Mann bei, auch bei seinen Anhängern gilt Nicolas Sarkozy nach wie vor als Führungsikone, obwohl er keine Ämter mehr innehat. Seine Verurteilung dürfte ein politisches Comeback jedoch deutlich erschweren – und glaubt man seiner Frau, ist dies auch gar nicht vorgesehen. „Mein Mann wird nicht in die Politik zurückkehren, weil er sich nicht scheiden lassen will“, verriet Bruni in dem Interview. Er sei sehr verliebt und müsse sie dann gegen jemand anderen eintauschen. Bei einem politischen Comeback wäre demnach für sie Schluss.

Bruni verfolgt jedoch, und alles andere wäre überraschend gewesen, immer auch ihre eigene Agenda. Während des Vanity-Fair-Shootings summte die 53-Jährige hin und wieder Songs aus ihrem im Oktober erschienenen Album „Carla Bruni“. Sie vermisse es sehr, live zu spielen. Wen wundert's: Auf der Bühne muss sie niemanden verteidigen, muss nicht den „Partner in Crime“ geben. Als Musikerin kann sie auf ihre schöne, leise, manchmal etwas heiser klingende Stimme vertrauen und alle Widersprüche ihres Lebens auf künstlerischer Ebene verhandeln. Oder einfach nur von der Liebe singen.