Thomas Gottschalk, 67, nimmt bei den diesjährigen Final-Shows von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) den Platz von Chef-Juror Dieter Bohlen, 67, ein. Offenbar hat den Pop-Titan die Kraft oder auch die Lust verlassen, jedenfalls hat er sich für die letzten Termine krankgemeldet, wie der Sender der Casting-Show jetzt mitteilte. RTL fand offenbar schnell einen Ersatz, um die verbliebene Rumpf-Jury aus Schlagersängerin Maite Kelly und Popmusiker Mike Singer zu ergänzen.

Gottschalk: „Ich kann nichts falsch machen!“

Gottschalk gab sich unterdessen selbstbewusst und tiefentspannt: „Erstens lässt ein Titan den anderen nicht hängen und zweitens hatte ich gerade nichts Besseres vor.“ Dass ihm die im Vergleich zu Bohlen nicht ganz so ausgeprägte Musik-Expertise zum Verhängnis werden könnte, glaubt der musikalisch eher in den 60er-Jahren stehen gebliebene Gottschalk nicht. „Die Kandidaten können alle toll singen, und die Entscheidung liegt eh beim Publikum. Ich kann also nichts falsch machen.“

RTL hatte kürzlich erst die Ablösung von Dieter Bohlen als Chef-Juror von DSDS verkündet: Er sollte die laufende Staffel nur noch zu Ende führen, danach plante der Sender, „mit einer komplett neuen Jury frische Impulse zu setzen, um musikalische Talente und Millionen Zuschauer neu zu inspirieren und zu begeistern“. Eben diese „frischen Impulse“ traute man Bohlen offenbar nicht mehr zu, mit dieser Formulierung wurde ihm der Stuhl vor die Tür gestellt. Nun ist er eben krank.

Das Casting-Format läuft bereits seit 2002 – Musikproduzent Bohlen war von Anfang an dabei und ist das markante Gesicht der Show. Mit seinen Sprüchen hat er sie über Jahrzehnte geprägt. Zuletzt machte DSDS aber von sich reden, als der Juror und Schlagersänger Michael Wendler die Show verließ und seinen Rücktritt mit wirren Verschwörungstheorien zur Covid-19-Pandemie begründete sowie die Anti-Corona-Maßnahmen der Bundesregierung mit dem Nationalsozialismus verglich.

Der Skandal war auch ein Anzeichen dafür, dass DSDS schon längst zu einer Krawallshow verkommen war, bei der es nur noch am Rande um die Entdeckung junger Talente ging. Bohlen hat mit seiner Schnodderschnauze an dieser Entwicklung auch seinen Anteil, obwohl sich seine im harschen, mitleidslosen Ton vorgetragene Kritik zumeist als zutreffend erwies: Er inszenierte sich als „Proll aus Hamburg-Tötensen“, hatte aber ein sicheres Gespür für die Marktgängigkeit des Pop-Nachwuchses.

Jetzt hat sich der Titan vor der Zeit verabschiedet, ist also gegangen und nicht gegangen worden. Der andere Titan wird ihn würdig vertreten, von Gottschalk sind ebenfalls keine „frischen Impulse“ zu erwarten. Dabei hat er durchaus Erfahrung in Casting-Formaten. Zeitweise saß er in der Jury der RTL-Sendung „Das Supertalent“, in der Talente aller Art auftraten, das bisweilen trashige Spektrum reichte von Mundharmonikaspielern bis Hundedressuren. Neben ihm damals: Dieter Bohlen.

Gottschalks „Humor und Star-Appeal“ sollen es richten

Gottschalk ist eine eigene Marke. Der langjährige Erfolg der ZDF-Show „Wetten, dass …?“ machte ihn über 151 Folgen zu einem der größten Entertainer des deutschsprachigen Fernsehens. RTL ist der Showmaster seit langem verbunden. In „30 Jahre RTL – Die große Jubiläumsshow mit Thomas Gottschalk“, „Mensch Gottschalk – Das bewegt Deutschland“ oder zuletzt „Die Quarantäne-WG – Willkommen zuhause“ führte er auf die ihm eigene Weise durch die beste Sendezeit. Ein Show-Titan.

„Dieters Fußstapfen sind groß. Wenn einer die passende Schuhgröße hat, dann Thomas Gottschalk“, sagte dann auch RTL-Unterhaltungschef Kai Sturm. Und Ute Biernat von der Produktionsfirma Ufa Show & Factual erklärte, „Gottschalk werde Maite Kellys und Mike Singers musikalische Expertise mit seinem Humor, Charme und Star-Appeal ergänzen“. 

Gottschalks „Appeal“ wird an diesem Sonnabend (27. März) und im Finale eine Woche später (3. April) zu besichtigen sein.