Prinz Harry, 36, und Herzogin Meghan, 39 haben am Mittwoch, an ihrem dritten Hochzeitstag, ein neues Projekt ihrer gemeinnützigen Organisation Archewell angekündigt. Zusammen mit der Nichtregierungsorganisation World Central Kitchen wollen sie in der indischen Millionenstadt Mumbai ein Hilfszentrum einrichten, um Bedürftigen während der Corona-Pandemie zu helfen. „Hunderttausende Menschen haben ihre Leben verloren, Millionen sind infiziert, und es gibt große Besorgnis, dass die Krise schlimmer ist als berichtet wird“, heißt es in einer Mitteilung auf der Archewell-Webseite.

Harry und Meghan sollten endlich ihre royalen Titel ablegen

Die beiden Organisationen betreiben zusammen bereits eine Initiative auf der Karibikinsel Dominica, zudem entsteht ein Zentrum in Puerto Rico, um Essen zu verteilen und andere Krisen-Hilfsdienste zu leisten. Zu ihrem neuem Engagement heißt es: „Derzeit nehmen die Covid-19-Fälle in ganz Indien zu … In den letzten 24 Stunden wurden hier 260.000 neue Fälle und 4329 Todesfälle gemeldet.“ Man wolle vor Ort mit der Myna Mahila Foundation zusammenarbeiten, einer indischen Organisation, die sich für eine bessere Gesundheitsversorgung und Beschäftigungsmöglichkeiten von Frauen einsetzt.

Harry und Meghan bauen damit ihr postroyales Charity-Business weiter aus. Nach all den skandalträchtigen Irrungen in den letzten Monaten, nach den Rassismus-Vorwürfen und der vielen anderen, öffentlich gewaschenen schmutzigen Familienwäsche ist das auch höchste Zeit: In einer aktuellen Umfrage sprechen sich nämlich beinahe die Hälfte der Menschen in Großbritannien dafür aus, dem Queen-Enkel und seiner Ehefrau alle royalen Titel zu entziehen. Laut dem Meinungsforschungsinstitut Yougov stimmen 44 Prozent dafür, das Paar nicht länger als „Herzog“ und „Herzogin“ anzusprechen.

Kann es sein, dass Harry und Meghan viele Menschen nur noch nerven? Immerhin, bei den  18- bis 24-Jährigen dürfen sie noch auf Verständnis für ihr Selbstverwirklichungsunternehmen hoffen, hier wollen nur 20 Prozent die Sussexes ohne jeden Titel sehen. Für die Jüngeren mögen Namen oder Titel oder Orden allerdings auch nicht viel mehr als lässliche Folklore sein, Traditionsgedöns für Ewiggestrige. In der Tat: Harry und Meghan haben mit ihrem Rückzug vom königlichen Familienbetrieb, dem Megxit, die Titel der „königlichen Hoheiten“ bereits abgelegt. Das müsste doch eigentlich reichen …

Schädlich fürs Königshaus, gut für die Demokratie

Warum aber streichen sie nicht jeden Bezug zum Königshaus aus ihrem Namen? Sie wollen doch nichts mehr von der Firma. Außer Ärger: Harry hatte erst vor einer Woche in einem Podcast gesagt, sein Vater, Thronfolger Prinz Charles, habe das eigene Leiden auf seine Kinder übertragen. „Er hat mich so behandelt wie er selbst behandelt wurde“, sagte Harry, und meinte damit: Mein Vater hat mich schlecht behandelt, so wie er auch schlecht behandelt wurde. Das wurde vollkommen zu Recht als Angriff auf Queen Elizabeth II., 95, und deren kürzlich gestorbenen Ehemann Prinz Philip gewertet.

Zuletzt hat Harry in der Doku-Serie „The Me You Can‘t See“ den Vorwurf wiederholt, dass nach all den rassistischen Attacken der Presse, die seine Frau abbekam, er und seine Familie vom Königshaus allein gelassen worden seien. Der Prinz zog abermals eine Parallele zu Prinzessin Diana: „Die Geschichte hat sich wiederholt. Meine Mutter wurde in ihren Tod gejagt, weil sie mit jemanden eine Beziehung hatte, der nicht weiß war. Und genau so war es wieder, dieselben Leute, das selbe Business-Modell, die selbe Industrie.“ All das mag wahr und triftig sein, aber ist es öffentlich von Belang?

Die Ironie der Geschichte ist allerdings, dass sich nur gestrenge Royalisten über das Gebaren Harrys und Meghans aufregen müssen. Die beiden leben parasitär von ihrem royalen Nimbus, sie stehen mit allem, was sie in ihrem Charity- und sonstigem Business tun, immer noch nicht auf eigenen Füßen und sie verfeuern ihre royalen Restwürden für ihre eigenen Zwecke. Anders gesagt: Meghan und Harry schaden dem britischen Königshaus und erweisen sich insofern als praktizierende Anti-Royalisten. Das muss und kann, wem die Monarchie gleichgültig oder sogar ein Ärgernis ist, nur freuen.

Auch hier geben die Umfragen unerbittlich Auskunft: Lediglich 31 Prozent der Befragten zwischen 18 und 24 Jahren in Großbritannien wollen laut Yougov an der Monarchie festhalten. Da schwindet offenbar die jüngere Anhängerschaft: 2019 hatten sich in der Altersgruppe noch 46 Prozent zu den Royals bekannt, 2020 waren es 40 Prozent. Hoffnungsvoll stimmt, dass mittlerweile 41 Prozent der jungen Briten ein gewähltes Staatsoberhaupt bevorzugen würden – das ist ein Anstieg um 15 Prozent im Vergleich zu 2019. Und es ist ein erfreulich demokratisches Votum gegens royale Trash-Programm.