Frau Rützel, wer hat Sie diese Woche wütend gemacht?

Kanye West. Wobei er mich genau genommen zunächst erst einmal vergnügt gemacht hatte, nämlich mit der Nachricht, er sei endlich zu Instagram zurückgekehrt. Dort war er zuletzt mit Trashpostings über seine Exfrau Kim Kardashian und deren neuen Freund Pete Davidson so unangenehm aufgefallen, dass sein Account kurzzeitig sogar gesperrt wurde. Natürlich war das eklig zu lesen, aber auch sehr nützlich, wenn man mal mit jemandem zu tun hatte, der sich unter dem Begriff „toxische Männlichkeit“ immer noch nichts vorstellen konnte – zeitsparend konnte man dieses Konzept mittels weniger Westwütereien vollumfänglich erklären. Nun ist er also zurück auf Insta, allerdings – und jetzt kommen wir zu meinem Wutpart – nur mit dem Foto einer ollen Pappschachtel, in der man zum Beispiel einen Burger verstauen kann. Für sein neuestes Projekt hat Ye nämlich mit dem Muji-Industriedesigner Naoto Fukasawa Verpackungswaren für McDonald’s designt. Wie trostlos gewöhnlich.

Dafür sprang ja vergangene Woche ein Mitglied seiner Ex-Sippe in die Schrulligkeitsbresche: Kourtney Kardashian, bei deren Hochzeit mit Travis Barker es reichlich zu sehen gab.

Das stimmt, wobei ich inzwischen etwas den Überblick über deren Zeremonienportfolio verloren habe – es kommt mir so vor, als heiraten die beiden seit einiger Zeit jede Woche; tatsächlich war es aber erst die dritte Veranstaltung dieser Art, dieses Mal in einer italienischen Variante. Interessanter fand ich allerdings ein Detail, das Kourtney gerade bei „Keeping up with the Kardashians“ erzählte: Ein Arzt, den das Paar wegen seines Kinderwunsches konsultierte, habe ihr demnach geraten, mehrmals pro Woche das Sperma ihres Angetrauten zu trinken. Irgendwas sei nämlich bei ihrer Schilddrüsenfunktion nicht optimal, was wiederum ihre Eizellenproduktion beeinträchtigen könnte, und laut besagtem nur minimal quacksalberisch klingenden Mediziner könne sich der angeratene Spermaverzehr da günstig auswirken. Ich würde das an ihrer Stelle aber lieber noch mal googeln.

anja rützel
Anja Rützel und Hund Juri

Haben Sie die Endphase des Prozesses von Johnny Depp und Amber Heard verfolgt?

Tatsächlich nicht. Was gar nicht so einfach ist, weil sie einem ja in allen Details überall um die Ohren gehauen wurde. Ich habe natürlich trotzdem versucht, meine energetischen Promiverfolgungsreserven zu schonen: Nächste Woche wird schließlich das Platinum Jubilee der Queen gefeiert, und da werden meine lieben Royals sicher zu Topform auflaufen.

Ich ahne die Antwort, aber ich frage Sie trotzdem: Wir fanden Sie denn das Finale von „Germany’s next Topmodel“ am Donnerstag?

Ich sage mal: Es bleibt schwierig. Ich finde diese ewige Betonung des angeblich ja ach so diversen Kandidatinnenfeldes leider immer noch sehr scheinheilig – es liegt schon recht nahe, die Fixierung auf dieses an sich gute Anliegen auch als Ablenkungsmanöver von den grundlegenden Dingen zu sehen, die beim Format GNTM seit seinen Anfängen komplett daneben sind. Andererseits gefiel mir als engagierter Anhängerin des RTL-Bibelzinnobers „Die Passion“ zumindest die Eröffnungsszene sehr gut, bei der Heidi Klum ihren Part des Titelliedes sang und dabei von Ehemann Tom Kaulitz am Piano begleitet wurde. Ich habe ihn dabei aufmerksam studiert und lege mich hiermit fest: Ich habe meinen Wunschjesus für die „Passion“-Ausgabe 2023 gefunden.

Was macht eigentlich Helene Fischer?

Sie stillt am Ammersee. Das berichtete, wie es sich für eine auch weltpolitisch brisante News gehört, die Bild-Zeitung, die hilfreicherweise auch noch die Luxusmarke der Decke nannte, die sie dazu auf einer Parkbank ausbreitete – sehr nützlich, falls jemand ihren Stillstil nachmachen möchte. Bei anderer Gelegenheit sei Fischer mit dem Kinderwagen in München unterwegs gewesen. Es habe so gewirkt, als „wollte Helene erkannt werden“, fabuliert sich das Blatt zurecht. Ich weiß ja bekanntermaßen wirklich nicht viel gesichertes aus Fischers Leben, aber diese Deutung scheint mir durchaus gewagt.

Anja Rützel ist freie Autorin und schreibt vor allem über Fernsehen und Tiere. Für die Berliner Zeitung am Wochenende beobachtet sie die wunderliche Welt der Promis.

Die Fragen stellte Christian Seidl.


Anja Rützel ist freie Autorin und schreibt vor allem über Fernsehen und Tiere. Für die Berliner Zeitung am Wochenende beobachtet sie die wunderliche Welt der Promis.