Vielleicht bildet er sich das alles nur ein: die verstohlenen Blicke, das Geflüster hinter vorgehaltener Hand, das Misstrauen und die Ablehnung. Und dann die E-Mail, die ihn nicht erreichte, so dass er zunächst im falschen Raum wartete und dann zur wichtigen Besprechung peinlich zu spät kam. Wird er gemobbt? Ist er paranoid? Gegen letzteres spricht die tote Ratte, die neulich am Gartenzaun des schmucken Einfamilienhauses hing, in dem der Pharmakologe Xhafer mit seiner Frau und den drei Kindern lebt.

Xhafer – gleich fragt man sich, was das denn für ein Name ist, und damit geht das Dilemma auch schon los, von dem Visar Morina in seinem Film „Exil“ erzählt. Das Dilemma, das einerseits darin besteht, dass eine Gesellschaft, hier: die deutsche, vom Einwanderer zwar Integrationsleistung verlangt, dann aber doch nicht müde wird, auf der Differenz herumzureiten – und sei es nur, indem sie um Aussprache und Herkunft des fremden Namens ein Gewese macht. Andererseits liegt das Dilemma darin, dass da einer den Verlust von Sprache und Kultur der Ursprungsheimat hinzunehmen hat und doch nie vollständig in Sprache und Kultur des Ziellandes eingelassen wird. Solcherart zweifach ins Exil getrieben, kann man schon mal durchdrehen. Von wegen Willkommenskultur.

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