Der Border Collie, der keine Schafe hüten darf, versucht rennend, Blumenbüschel in Bewegung zu setzen. Der Labrador, der zur Seite geschoben wird, grummelt etwas „in seiner ganz eigenen Sprache vor sich hin“, mürrisch und liebevoll. Der Basenji bellt nicht, der Basset dagegen gibt den „satten Ton eines Cellos“ von sich. Mit jedem der 44 Porträts in ihrem Buch „Gesichter“ fängt Vita Sackville-West hundeliebende Leser ein. Die aus dem britischen Hochadel stammende Gartenexpertin, Dichterin, Romanautorin und zeitweilige Geliebte von Virginia Woolf, die früh ein vielbeachtetes Buch mit Pflanzenporträts veröffentlichte, wandte sich gegen Ende ihres Lebens schreibend den Hunden zu.

Es waren die „großartigen, phantasievollen Fotografien“ von Laelia Goehr (1908-2004), die Sackville-West 1961 zum Schreiben veranlassten. Sie schaut auf Schnauzenform und Augen-Blick, Stirnfalten und Bart, widmet sich dann der jeweiligen Rasse vom Altenglischen Schäferhund bis zum Zwergpudel, vom Chihuahua bis zum Chow-Chow. Als erfahrene Schriftstellerin legt sie stets einen anderen Schwerpunkt. Sie konzentriert sich mal auf den Einsatz durch den Menschen als Hüte- oder Blindenhund, mal auf den Marktwert oder das Fell. Angesichts der Paarungen zur Züchtung des Boxers, die sie kurz zusammenfasst, fällt ihr auf: „So ein Hunde-Stammbaum liest sich zuweilen wie ein Kochrezept.“

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