Forever im Scheinwerferlicht: Naomi Campbell bei der Frühjahr-2020-Modenschau von Saint Laurent.
Foto: AP/Vianney Le Caer

BerlinWer sich Naomi Campbells Biografie ins Buchregal stellen will, geschmückt mit ikonischen Fotos wie jenen von Peter Lindbergh, auf denen sie als Josephine Baker über den Strand tanzt, muss 2.500 Euro dafür berappen. Ja hallo?! Selbstverständlich gibt es den handsignierten XXL-Bildband über das Supermodel nicht auf dem Grabbeltisch, sondern nur in limitierter Auflage zum Spitzenpreis. Okay, diesen Sommer wird der Taschen-Verlag auch eine kleinere Edition des Jubelwerks auflegen, unsigniert und deutlich günstiger – mehr dazu ganz unten.

Der teure Glamour für die Modeelite und das Handfeste für die Fans: Irgendwie passt beides gut zu Naomi Campbell – dem Weltstar, der Diva, die so berühmt ist für ihre Schönheit, ihren makellosen Körper und ihr unbändiges Temperament. Am heutigen 22. Mai wird Campbell, die 1988 das erste schwarze Model auf dem Cover der französischen Vogue war, 50 Jahre alt.

Sie gehörte zur ersten Supermodel-Generation in den 90er-Jahren, aber während man ihre Gefährtinnen von damals – Claudia Schiffer, Cindy Crawford, Christy Turlington oder Linda Evangelista – nur noch selten auf dem Laufsteg sieht, war Campbell nie weg vom Catwalk. Wieso denn auch? Für Naomi gibt es keine Altersgrenze.

Girl-Power anno 1996: Naomi Campbell mit ihren Co-Supermodels Linda Evangelista und Kate Moss (v.li.). 
Foto: Imago Images

Als sie 1985 in ihrer Geburtsstadt London von einer Agentin der Zeitschrift Elle als Model entdeckt wird, ist sie mit 15 noch minderjährig – und ihre Mutter strikt dagegen. Das Mädchen soll die Schule und ihre Tanzausbildung fertig machen, nicht in eine Branche geraten, in der es so viele unseriöse Agenturen gibt. Aber Campbell setzt sich durch, so, wie sie es immer tut. Mit 16 fliegt sie zu Aufnahmen nach Paris, lernt dort den tunesischen Designer Azzedine Alaïa kennen, der sie mit Tina Turner, Jerry Hall und Grace Jones bekannt macht; und, grundlegend für ihre Karriere, mit den international tonangebenden Moderedakteurinnen und -fotografen. 

Die Tochter einer Jamaikanerin und eines jamaikanisch-chinesischen Vaters muss immer wieder mit Vorurteilen und Diskriminierung kämpfen. „Als ich anfing, wurde ich wegen meiner Hautfarbe für bestimmte Shows nicht gebucht. Ich habe mich davon nicht aus der Ruhe bringen lassen“, schreibt Campbell in ihrer Biografie. „Ich verstand, was es bedeutete, schwarz zu sein. Man musste sich extra anstrengen. Man musste doppelt so gut sein.“

Das war sie dann auch. Das werden alle bestätigen, die sie in den 90ern auf dem Laufsteg erlebt haben. Sagen wir es ganz ungeniert: Wenn sie bei Chanel oder Versace mit pendelnden Hüften dem Pulk der Fotografen entgegenschritt, wirkten die übrigen Models auf einmal wie Internatszöglinge neben einem Panther. Dass sie zu den berühmtesten und gefragtesten Models der Branche wurde, sie, die früher oft die einzige Schwarze in den Shows war, hat sie ihrem unbedingten Willen zur Selbstdarstellung zu verdanken. Ihre Freundinnen Turlington und Evangelista unterstützten sie darin. „Sie sagten bestimmten Designern, wenn sie sie in ihrer Show haben wollten, müssten sie auch mich buchen“, erzählt Campbell. „Diese Art von Unterstützung war einmalig in der Modebranche, in der es damals kaum so etwas wie Solidarität gab.“

Eine berühmte Freundschaft: Campbell 2001 mit Südafrikas früherem Präsidenten Nelson Mandela.
Foto: Imago Images

Inzwischen ist Naomi Campbell bekannt für ihr karitatives Engagement, aber auch für ihre Verbindungen mit den Mächtigen dieser Welt, die nicht immer folgenlos blieben: 2010 musste sie wegen eines Diamantengeschenks vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gegen Liberias Ex-Diktator Charles Taylor aussagen.

Es war nicht ihr einziger Auftritt vor Gericht: Viermal wurde sie wegen Körperverletzung verurteilt. Aus ihren Fehlern habe sie gelernt, sagt sie. Sie war in Therapie, in Selbsthilfegruppen und hat ihrem legendären Temperament die Zügel angelegt. „Ich möchte im Licht bleiben“, erklärte sie im vergangenen Jahr. Da gehört sie schließlich auch hin. 

Im Juli erscheint im Taschen-Verlag eine kompakte und aktualisierte Version von „Naomi Campbell“ im XL-Format im Schuber, 522 Seiten, um 100 Euro.