Berlin - Denn die Arbeit stellt sich dem Besucher der Galerie Zak Branicka wortwörtlich in den Weg. Sie lenkt den Blick nach unten, vor allem aber begrenzt sie den Bewegungsradius. Der braune Karton ist in schmale Streifen geschnitten und zu einer Spirale ausgelegt. Simpel mit weißem Klebeband zusammengeheftet, windet diese sich auf dem Fußboden und nimmt fast die ganze Fläche ein. Wie ein Parasit füllt die Pappe den Fußraum.

„Ich wollte ein Kunstwerk schaffen, dass die Zuschauer einander gegenüberstellt“, erklärt Horvat. Die Arbeit spielt mit den räumlichen Gewissheiten des Ausstellungsraums und bestimmt die Schritte vor. Nur einzeln kann man um die Installation herumgehen. Wer davor stehen bleibt, betrachtet zwangsläufig nicht nur die Arbeit am Boden, sondern auch die Besucher am anderen Raumende.

Arme Materialien

„Ground Coil“ wirkt ganz natürlich, erinnert an Jahresringe oder die Bewegung auf der Oberfläche eines Sees, wenn man einen Stein hineinwirft. Doch die Kreise sind nicht perfekt: Die Pappe bleibt starr, ist nur an wenigen Stellen nach Innen geknickt. Es scheint, als hätte sich das Material gesträubt, die Form anzunehmen. Ohne Erfolg: Endlos fügen sich die Runden ineinander. „Man kann die Richtung der Zeit nicht verändern“, sagt Horvat. Und doch versucht sie es, am deutlichsten in „And Counting Two“: Eine alte Wanduhr hat sie mit Anspitzresten gefüllt, so dass sich die Zeiger nicht mehr bewegen können.

Vlatka Horvat arbeitet mit armen Materialien im Sinne der Arte Povera, mit Alltagsgegenständen, die man ständig in den Händen hält oder wegwirft, ohne darüber nachzudenken. Papier und Pappe gehören zu ihren bevorzugten Werkstoffen, auch weil sie für eine ebenso elementare wie sinnbildende Tätigkeit genutzt werden: für das Schreiben. An der Wand neben „Ground Coil“ sind zu Landschaften gebogene Notizbücher aufgereiht. Büchlein mit unscheinbaren braunen Einbänden, die Vlatka Horvat täglich selbst benutzt und zu dreidimensionalen Welten transformiert.