Berlin - Der Eichelhäher ist ein wählerischer Vogel, was seine Nahrung angeht, zugleich legt er Wert auf Vielfalt. Er frisst keineswegs nur die namengebenden Eicheln, die er in der Saison tatsächlich in großer Zahl mit seinem starken Schnabel aufhebelt, schält und verdrückt, in den meisten Fällen aber erst einmal vergräbt. So viele von ihnen vergräbt, dass er größtenteils vergisst, wo – wiewohl er als klug gilt (oder verschlagen, unten mehr dazu). Auf diese Weise bringt der Vogel den Baumsamen in die zuvor aufgelockerte Erde ein, wie es ein Gärtner nicht besser könnte, und verschafft der Eichel so die besten Bedingungen für die Keimung.

Diese Zusammenarbeit ist wieder mal ein Beispiel für Phänomene, die man geneigt ist, einem Gott zuzuschreiben, nach dessen Bild wir in unserer Fehlbarkeit geschaffen sind: Wie erfindungsreich die Evolution operiert, wo es gilt, Irrtümer zu vertuschen und Unzulänglichkeiten auszugleichen! Wer weiß, ob es ohne diesen bei der Aussaat behilflichen Vogel Eichen überhaupt gäbe oder ob die Wildschweine alles wegfressen würden. Wäre es nicht einfacher gewesen, dem Eichelsamen eine Substanz beizumengen, die Wildschweinen nicht schmeckt? Aber was sollen Wildschweine dann fressen?

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.