Berlin - Im dritten Teil seiner Autobiografie „Das Augenspiel“ befasst sich der Literaturnobelpreisträger Elias Canetti mit dem Dirigenten Hermann Scherchen, den er im Wien der 1930er-Jahre kennengelernt hatte. Canetti hat sich selbst als Experten der Macht bezeichnet, und in seinem Opus magnum „Masse und Macht“ gibt es eine Miniatur über den Dirigenten als Machthaber, die ganz ausdrücklich Scherchen und dessen Verhalten am Pult nachempfunden ist.

Was lange als allgemeine Beschreibung zu lesen war, füllt Canetti in „Das Augenspiel“ dezidiert mit biografischen und charakterlichen Angaben zu dem 1891 in Berlin geborenen Dirigenten Hermann Scherchen auf. Es ist kein sehr schmeichelhaftes Porträt, eher liest man es als Psychogramm eines in seiner Kunst Rücksichtslosen. Canetti schreibt: „Es war eine Machtfrage für ihn, die ihr doppeltes Gesicht hatte: die Vergewaltigung der Musiker, die er zu ihrer Ausführung zwang, und sobald er die Musiker einmal in der Hand hatte, die Vergewaltigung des Publikums, und zwar dann am liebsten, wenn es besonders widerspenstig war“.

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