BerlinEs ist gerade zwei Monate her, dass sich das Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos in einen rauchenden Trümmerhaufen verwandelte. Seit der Flüchtlingskrise 2015 ist das Camp fast durchgehend überfüllt. Damals machten sich täglich Tausende Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan, Irak und anderen Ländern auf den Weg auf die Insel – viele ertranken. Nach dem Brand im September sollte alles besser werden. Doch Regen, Dreck, Corona und Kälte plagen die Menschen bis heute. In den kalten Wintermonaten ist die Situation hier besonders prekär.

Die UNO-Kunstlotterie will auf unkonventionelle Weise helfen. „Leben retten, Kunst gewinnen“ lautet das Motto, das die Idee dahinter prägnant zusammenfasst. Insgesamt 25.000 Lose zu je 40 Euro wurden für das Glücksspiel-Experiment „Heart – 100 artists. 1 mission“ ausgegeben. Für 40 Euro pro Los haben Teilnehmende die Chance, eins von 100 Kunstwerken namhafter Künstler zu gewinnen – wie etwa Olafur Eliasson, Katharina Grosse, Norbert Bisky, Anish Kapoor, Anselm Kiefer und Barbara Klemm. Der Gewinn fließt zu 100 Prozent UNHCR zu.

Ausgedacht haben sich die Aktion der UNHCR-Geschäftsführer Peter Ruhenstroth-Bauer und Marlene von Carnap, die Direktorin der Michael-Werner-Galerie in London. Letztere hatte ähnliche Charity-Projekte in Großbritannien beobachtet; Drucke für wohltätige Zwecke wurden verlost. Mit der „Heart“-Aktion wollen die Macher nun auf das Leid von knapp 70 Millionen Menschen hinweisen, die derzeit auf der Flucht sind. Alle Kunstwerke sind im Din-A5-Format gehalten.

Auch motivisch behandeln die meisten Werke die Themen Heimat und Migration: etwa Norbert Biskys „Neuanfang“, das eine aus einem Elefant und einem Kamel bestehende Karawane zeigt. Die Wanderung wird darin zum speziesübergreifenden Thema, das – verstärkt durch den Klimawandel – auch in Zukunft das Leben von Menschen und Tieren bestimmen könnte. Oder auch Barbara Klemms Fischaugenfotografie „Fall der Mauer 1989“ vom Ende der DDR, das daran erinnert, dass sich auch innerhalb Deutschlands eine massive Migrationsbewegung vollzog.

Eine Fotografie von Anselm Kiefers Installation „Schechina“ zeigt ein schneebedecktes Brautkleid, aus dessen Mitte ein Sephirot-Baum hervorragt. Es ist ein Symbol der jüdischen Mystik, das die zehn Emanationen nachzeichnet, in denen sich die göttliche Unendlichkeit offenbart. Das Göttliche, so ließe sich diese Arbeit deuten, wohnt im Weltlichen. Und die Ruhe, das Glück, die Wärme, die es verspricht, ist manchmal nur unter widrigen Umständen zu erreichen.

Manche Arbeiten wie Katharina Grosses „Untitled“ sind noch abstrakter: Man sieht, was andeutungsweise wie eine Hand aussieht, an deren Enden die Farben und Formen verlaufen. Migration ist – auch – eine Zerrüttung der Umstände, der Gewohnheiten, der Sprache, der Wahrnehmung, das scheint diese Arbeit zu sagen.

Heart – 100 artists. 1 mission. Ein Los à 40 Euro kann hier erworben werden: www.uno-fluechtlingshilfe.de/kunst/