In der herbstlichen – mithin wenigstens farbschönen – Wüstenei der szenischen Darstellung: Ivan Magrì als Alfredo.
Foto: imago images/Martin Müller

Berlin-Mitte - Die neue „Traviata“ an der Komischen Oper beginnt unversehens. Noch bei brennendem Saallicht dringt elektronisch manipulierte Verdi-Musik von der Bühne und mit einem Mal steht da eine Frau, die anscheinend aus der Stadt heimkommt, die ersten Streicherakkorde erklingen, dann winkt der Generalmusikdirektor Ainars Rubikis das Orchester der Komischen Oper wieder ab. Die Frau entnimmt einem Umschlag Röntgenbilder ihrer Lunge. Die Musik geht weiter, die Frau fährt ihren Rechner hoch. Bilder werden projiziert, Bilder ihrer Lunge, Bilder ihrer Träume von Liebe, Bilder ihrer Arbeit. Um diese letzte Projektion ihres Oberkörpers in Korsage richtig zu verstehen, muss man das Programmheft gelesen haben, in dem die Regisseurin Nicola Raab erklärt, dass Violetta eine Sexarbeiterin im Internet ist. Wenn sie da auf ihrem Bürodrehstuhl sitzt, würde man das nicht unbedingt vermuten – wer zahlt Geld für den Anblick angezogener Frauen auf Bürodrehstühlen?

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