Clark Gable (l.) und Vivien Leigh (r.). Die Besetzung der Hauptrollen erstreckte sich über zwei Jahre. 
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BerlinDas Land der Gentlemen und Baumwolle, das man den Alten Süden nannte – hier, in dieser schönen Welt, verbeugte sich die Galanterie zum letzten Mal. Hier konnte man die letzten Ritter und edlen Damen sehen, Herren und Sklaven. Heute ist dieser fast vergessene Traum nur noch in Büchern zu finden. Eine ganze Zivilisation, vom Winde verweht ...“. Mit diesen Worten beginnt einer der erfolgreichsten Spielfilme aller Zeiten – die unglückliche Liebesgeschichte von Scarlett O’Hara und Rhett Butler ist mittlerweile legendär. Vor 80 Jahren wurde das Drama in Atlanta uraufgeführt.

Zur Premiere im Dezember 1939 im Loew’s Grand Theatre säumten Hunderttausende die Straßen der Georgia-Metropole, um den Filmstars in ihren Limousinen auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt zuzujubeln. Frauenschwarm Clark Gable musste sogar von der Polizei vor hysterischen Fans geschützt werden.

Nur Hattie McDaniel, die ein Jahr später für ihre Rolle der Mammy den Oscar erhalten sollte, und alle anderen schwarzen Darsteller durften aufgrund der immer noch praktizierten Rassentrennung in den Südstaaten nicht teilnehmen. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Margaret Mitchell von 1936.

Suche nach Hauptdarstellerin dauerte zwei Jahre 

Trotz der Warnung von MGM-Produktionschef Irving Thalberg („Noch nie hat ein Film über den Bürgerkrieg auch nur einen Nickel eingespielt“), wagte Produzent David O. Selznick das Abenteuer. Und das, obwohl bereits andere Studios wie Warner und 20th Century Fox abgewinkt hatten. Auch, weil sie keine Schauspielerin für fähig hielten, die eigensinnige Scarlett zu mimen. Bereits einen Monat nach Veröffentlichung des Buchs kaufte Selznick dennoch die Filmrechte für 50.000 Dollar.

Clark Gable (l.) und Vivien Leigh (r.). Der Film basiert auf dem Bestseller von Margaret Mitchell von 1936.
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Die Suche nach einer geeigneten Hauptdarstellerin dauerte zwei Jahre. Das „Searching for Scarlett“ erstreckte sich über ganz Amerika, insgesamt nahmen rund 1400 Frauen daran teil – darunter auch Filmstars wie Bette Davis, Katharine Hepburn, Norma Shearer und Joan Crawford. Die Suche kostete 100.000 Dollar und brachte dennoch kein Ergebnis, aber eine gigantische Publicity. Eines der Mädchen etwa ließ sich in einer Kiste mit der Aufschrift „Sofort öffnen“ anliefern und riss sich dann die Kleider vom Leib.

Eine andere sprang im historischen Kostüm aus einer Geschenkbox. In die engere Auswahl kamen Joan Bennett, Jean Arthur und Paulette Goddard. Am Ende ergatterte jedoch die Newcomerin Vivien Leigh die Hauptrolle. Die Besetzung des Rhett Butler gestaltete sich da deutlich einfacher. Nachdem zunächst Gary Cooper und Errol Flynn im Gespräch waren, wurde Clark Gable als männlicher Hauptdarsteller engagiert. Leigh brillierte in der Rolle der kapriziösen Scarlett O’Hara, der ebenso schönen wie verschlagenen Tochter des Besitzers der Baumwollplantage Tara.

Drehbuch von „Vom Winde verweht“ hielt sich an Vorlage

Laut Drehbuch verliebt sie sich im Jahr 1861 in den Erben der Nachbarplantage. Der heiratet jedoch seine zurückhaltende Cousine Melanie. Aus Trotz nimmt Scarlett den Antrag von Melanies naivem Bruder Charles an, der jedoch kurz nach der Hochzeit stirbt. Schon während eines prunkvollen Festes hatte Scarlett Rhett Butler (Gable) kennengelernt. Nach diversen Wirrungen im amerikanischen Sezessionskrieg und dem folgenden Wiederaufbau macht er ihr einen Heiratsantrag, den sie annimmt.

Die Tragödie nimmt ihren Lauf … „Vom Winde verweht“ war zur Zeit seiner Entstehung eines der aufwendigsten und größten Projekte der Filmgeschichte. In prächtigen Kulissen und Kostümen beschwor der Film den Mythos des untergegangenen Südens wieder herauf, angereichert mit Themen wie Liebe und Schmerz, Freiheit und Sklaverei, Freundschaft und Verrat. Für eine der ersten Sequenzen, den Brand von Atlanta, fackelten die Macher die Bühnendekorationen von „King Kong“ aus dem Jahr 1933 ab.

„Vom Winde verweht“ kam im Dezember 1939 in die Kinos. 
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Das Drehbuch von Sidney Howard und Ben Hecht hielt sich bis auf notwendige Kürzungen an Mitchells Vorlage. Regisseur war erst George Cukor, doch nach einigen Drehtagen kam Selznick zu der Überzeugung, dass er nicht der Richtige für diesen Film sei und engagierte Victor Fleming, der bereits den Kassenknüller „Der Zauberer von Oz“ inszeniert hatte. „Vom Winde verweht“ geriet zum gigantischen Kraftakt, der die gesamte Crew an den Rand des Nervenzusammenbruchs brachte.

Nur noch eine Hauptdarstellerin lebt 

Heute zählt das fast vier Stunden lange Werk neben „Casablanca“ und „Doktor Schiwago“ zu den bedeutendsten historischen Melodramen. Seit einigen Jahren gerät das Südstaatenmelodram jedoch unter anderen Vorzeichen in die Schlagzeilen. Kritiker monieren, es sei eines der rassistischsten Machwerke Hollywoods. Es romantisiere und verkläre die Sklaverei.

Dass im amerikanischen Sezessionskrieg um die Befreiung der Sklaven gefochten wurde, bleibe im Film so gut wie unerwähnt, die Gräuel seien lediglich Kulisse, die Schwarzen Komparsen. Dabei war die Buchvorlage noch schlimmer – sie feierte unverhohlen den Ku-Klux-Klan. Schon damals schrieb das Time Magazine: „Unverzeihlich rassistisch.“ Übrigens: Als einzige Hauptdarstellerin des Films lebt heute nur noch die inzwischen 103-jährige Olivia de Havilland. Sie spielte die zurückhaltende Cousine Melanie.