Berlin - Man erinnere sich an Hier­ony­mus Boschs Triptychon „Der Garten der Lüste“, ein kunsthistorischer Aha-Moment aus dem 15. Jahrhundert. Das Gemälde zeigt eine paradiesische Gartenlandschaft – als harmonische Mitte zwischen zwei antithetischen Darstel­lun­gen von Himmel und Hölle. Eine schillernde Utopie, die einem gerade jetzt in der Lockdown-Zeit förmlich das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt: ein Bild, in dem andro­gyne Gestalten nackt, dicht aneinandergedrängt und ausgelassen in bläulichen Gewäs­sern planschen, in muschelarti­gen Gefäßen treiben und auf schwülstigen Tierwesen reiten. Wo Körperteile zu Früch­ten anschwel­len und Vogelkreatu­ren Menschen gen Himmel befördern. Wo hin und wieder versprengt gar eine Blume aus einem Hinter­teil hervorragt. Eine quirlige Superspreader-Vision, eine Post-Covid-Party.

Quelle: Wikimedia Commons
Mittelteil des Tryptichons „Der Garten der Lüste“ (um 1450–1516) von  Hieronymus Bosch 

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