BerlinDie Besinnlichkeitskurve steigt ins Unermessliche. Und so geht der Wettlauf zum Frohen Fest allen coranabedingten Nackenschlägen und Stolpersteinen zum Trotz in die entscheidende Etappe: Jetzt muss sich weisen, was uns versprochen wurde – der Moment der Wahrheit am Gabentisch. So will es die Gewohnheit. Doch Obacht, seit jeher ruft das unheimliche Bedürfnis der Menschen, zusammen zu sein, auch die Verächter auf den Plan. Menschen, die da nicht mitmachen wollen. Sie haben ihre mehr oder weniger guten Gründe. Frei nach Karl Lagerfeld: „Weihnachten ist wie Mayonnaise – sie schmeckt, oder sie schmeckt nicht.“ Wir stellen einige der prominenteren Weihnachtsmuffel vor: Wo sie sind, wird nicht gefeiert, sondern gemeckert. Verweigerung ist eine Tugend und vor allem Notwehr in der Frohsinnsschlacht.

1. Kinderkram. Wer wie Karl Lagerfeld (1933–2019) das Weihnachtsbuhei eher als lästigen, da aufdringlichen Menschheitsversammlungszwang und ansonsten als eine in ihrer ganzen Erscheinung mehrheitlich stillose und deswegen von ihm verachtete plebejische Zeittotschlagsübung betrachtet, hat am 24. Dezember selbstverständlich etwas Besseres zu tun. Lagerfeld, der Wahlpariser mit der Hamburger Schnodderschnauze, setzte als Couturier höchste ästhetische Maßstäbe und gestaltete sein Leben entsprechend. In der ach so schönen Weihnachtszeit blieb er also lieber allein: „Ich kenne kein Schwein, das in Paris bleibt für die Festtage. Und da ich ja keine Familie habe, bin ich total frei, und das ist natürlich der Höhepunkt des Luxus.“

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