Vorschau: Polizeiruf 110 beschwört landesweiten Katastrophenfall

Du hast schlecht geträumt, oder?“ fragt Olga Lenski (Maria Simon) den achtjährigen Henry, dessen Mutter tot aufgefunden worden war. Leider nicht – und der richtige Alptraum beginnt erst noch.

Spiel mit dem Ernstfall

Bald darauf hockt die Kommissarin zusammen mit dem Jungen, seinem Vater (Jürgen Vogel), seiner Schwester (Sofie Eifertinger) sowie Kollege Raczek (Lucas Gregorowicz) in einem Notfall-Bunker, während die Stromversorgung zusammenbricht und draußen eine marodierende Jugendbande herumballert. Der Brandenburger „Polizeiruf 110“ mit dem sperrigen Titel „Demokratie stirbt in Finsternis“ (Jeff Bezos’ Slogan für die Washington Post) beschränkt sich nicht auf einen Kriminalfall, sondern beschwört den landesweiten Katastrophenfall.

Die Bedrohung beginnt in der Wohnung von Kommissarin Lenski, die nachts von Einbrechern heimgesucht und gefilmt wird, ohne es zu merken. Zuflucht sucht die traumatisierte Lenski bei einer Familie, die auf ihrem Gehöft autark von der Welt bleiben will, bald aber von einem Todesfall erschüttert wird. Das Drehbuch von Mario Salazar und Regisseur Matthias Glasner zimmert die vielen Wendungen dieser Endzeit-Vision recht grob zusammen, und für eine echte Apokalypse reicht das Budget auch nicht wirklich.

Eine Ansammlung überzogener Figuren

Jürgen Vogel, seit Jahrzehnten der bevorzugte Darsteller von Glasner, spielt seinen „Prepper“, also einen, der sich akribisch für den Ernstfall prepariert, nicht als militanten Spinner, sondern als verzweifelten Weltenretter, der nur noch seine Familie schützen will. Maria Simons Olga Lenski wird von diesem gebrochenen Typen so angezogen, dass sie keine rationale Polizistin mehr ist, sondern das gesamte System in Frage stellt.

Die Figuren, die mit der Katastrophe spielen, sind allerdings allesamt völlig überzogen gezeichnet. Das beginnt beim Anführer einer Hackerbrigade, der nur Parolen drischt, und endet bei der Jugendbande, die mit Papas Jagdgewehren eine „neue Welt“ errichten will, „ohne die Spießer von links und von rechts“. Sätze, die klingen, als würden sie auf einer Bühne deklamiert.

Polizeiruf 110 „Demokratie stirbt in Finsternis“ So, 20.15 Uhr, ARD