Ich spiele ja nicht so gern. Ich finde spielen zu gefährlich. Neulich rief ich im Haus einer Freundin über Festnetz an, und ihr Mann ging ans Telefon. Nein, er wisse nicht, was seine Frau gerade tue und ob sie Zeit habe, aber ja, sie sei da, das schon, sagte er kühl und legte den schnurlosen Apparat vor die Schlafzimmertür, hinter der sie sich befand. Sie hatten „Monopoly“ gespielt, bis sie vor zwei Stunden in Tränen ausgebrochen war und ihn als  „widerlichen Kapitalisten“ beschimpfte. „Widerlich“ sagte sie wohl wirklich und fing auch während unseres Gesprächs nicht an, es zu bereuen.

„Malefiz“ ist ebenfalls riskant. Es ist schon einige Jahre her, und die Freunde, mit denen wir verreist waren und abends spielten, schön vor einem prasselnden Kaminfeuer, sind längst geschieden. Als sie kurz in die Küche ging und er die Abwesenheit nutzte, eine unüberwindliche Sperre für ihre Figuren aufzubauen, ohne ihr dabei in die Augen blicken zu müssen, ahnte ich, dass das auch im wirklichen Leben nicht gutgehen würde.

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