Das Fernsehzentrum des RBB in Charlottenburg. Die Diskussion um ein Interview des Senders bringt erneut Unruhe in den Berliner Journalistenverband.
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BerlinVöllig überraschend kam der Schritt nicht. Nachdem die Berliner Zeitung am vorvergangenen Freitag berichtet hatte, dass eine Mehrheit im Vorstand des DJV Berlin JVBB gegen den Willen ihres Vorsitzenden Christian Walther beim RBB gegen das umstrittene Sommerinterview des Senders mit dem Rechtsextremisten Andreas Kalbitz protestiert hatte, wurde deutlich, dass ein Riss durch das Führungsgremium des Journalistenverbandes geht.

Nun hat der Vorstand offenbar die Konsequenzen gezogen: Wie es in Verbandskreisen heißt, sind die Vorstandsmitglieder auf einer Klausursitzung am Sonnabend zurückgetreten. Offiziell war der Rücktritt bei Redaktionsschluss allerdings noch nicht: Wie Walther auf Anfrage mitteilte, laufe dazu derzeit ein „Abstimmungsverfahren“.

Hintergrund dürfte sein, dass zwei der insgesamt neun Vorstandsmitglieder an der Klausurtagung nicht teilgenommen hatten. Deren Voten werden nun offenbar noch eingeholt. An der grundsätzlichen Entscheidung der übrigen Vorstandsmitglieder, ihre Ämter niederzulegen, dürfte dies aber nichts ändern.

Anlass des Rücktritts war die kontroverse vorstandsinterne Debatte über das Kalbitz-Interview. Auf der Sitzung wurde auch der Bericht der Berliner Zeitung zu dem Vorgang thematisiert. Walther, der auch RBB-Mitarbeiter ist, hatte unserem Blatt gesagt, er halte es für falsch, von Einschätzungen des Verfassungsschutzes abhängig zu machen, wen man interviewen dürfe. Außer ihm hatten auch die Vorstandsmitglieder Andreas Oppermann (RBB) und Klaus Enderle (Deutsche Welle) den Protest ihrer Vorstandskollegen gegen das Interview nicht mitgetragen.

Die Gründe für den Rücktritt gehen jedoch über das umstrittene RBB-Sommerinterview weit hinaus: Sowohl Walther als auch Oppermann und Enderle gehörten einst dem JVBB an, der erst zu Jahresbeginn mit dem DJV Berlin zum DJV Berlin JVBB fusionierte. Offenbar gab es aber auf Vorstandsebene gravierende Differenzen zwischen den Mitgliedern der beiden Vorgängerverbände, die nun beim Streit um das Kalbitz-Interview offen zutage traten.

Bis zur Einberufung eines Verbandstages, auf dem ein neuer Vorstand gewählt wird, bleiben die bisherigen Mitglieder des Gremiums geschäftsführend im Amt.