Die Nationalgalerie wird reich beschenkt 

Der Kunstpublizist und Wahlberliner Paul Maenz überlässt der Berliner Nationalgalerie seine Sammlung  der Gegenwartskunst. Die Sonderausstellung beginnt am 22. Februar. 

Berlin-"Das wahre Geschenk besteht nicht in dem, was gegeben oder getan wird, sondern in der Absicht des Gebenden oder Handelnden.“ Dieses Zitat stammt von Seneca, dem römischen Stoiker.

Hans-Peter-Feldmann-Installation: „Rotes Abendkleid“, 2002
Hans-Peter-Feldmann-Installation: „Rotes Abendkleid“, 2002

Der aus Gelsenkirchen stammende, seit 1993 in Berlin lebende Kunstsammler und Kunstpublizist Paul Maenz, unlängst 80 Jahre alt geworden, verhält sich wahrlich philosophisch, indem er sich selber beschenkt. Er gibt her, was ihm lieb und wert und teuer war. So etwa Elaine Sturtevants großes Bild „Warhol Flowers“ von 1990. Diese Persiflage der längst unbezahlbar gewordenen Andy-Warhol-Blüten widerspiegelt die erfrischend kunstmarkt-ironische Auseinandersetzung der US-Amerikanerin mit dem berühmtesten Protagonisten der Pop Art.

Weiterhin schenkt Maenz „Die Ricki-Bilder“, 1982/83, von Walter Dahn und Jirí Georg Dokoupil. Der 22-teilige Bilderzyklus ist eine bissig-humorvolle Reaktion auf eine ganze West-Berliner Mal-Ära um den „Neuen Wilden“ Rainer Fetting und jenen heftigen ideologischen Schlagabtausch zwischen figürlicher und abstrakter Kunst in den frühen Achtzigern. Kostbarkeiten sind auch Hans-Peter Feldmanns theatralische Installation „Rotes Abendkleid“, 2002, und die raumfüllende Fotografiearbeit „100 Jahre“, 1998−2000.

Erste Adresse für Minimalismus und Concept-Art

In wenigen Tagen beginnt die Sonderausstellung „To Whom It May Concern“ im Hamburger Bahnhof. Sie zeigt, was über Jahrzehnte Paul Maenz’ Sammler-Leidenschaft entfachte und nährte. Die erwähnten Werke sind erstmals zusammen mit seinen früheren Kunstgaben zu sehen.

Elaine Sturtevant: „Warhol Flowers“, 1990, Siebdruck und Acryl/Lw. 
Elaine Sturtevant: „Warhol Flowers“, 1990, Siebdruck und Acryl/Lw.

Paul Maenz, der bis 1990 in Köln ein überaus erfolgreicher Galerist zeitgenössischer Kunst   war – die erste Adresse für Minimalismus und Concept-Art, dies zusammen mit seinem Partner, dem Musikwissenschaftler Gerd de Vries, trug die bedeutende Sammlung im Laufe von über 50 Jahren zusammen. Indes sieht er sich selber nicht als einen klassischen Sammler. Wohl gerade daher aber rührt seine Absicht, weiterzugeben, was er liebevoll, ja, auch obsessiv wie ein Jäger, erworben hat: Er begreife sich weniger als Besitzer, eher als ein Vermittler von Kunst unserer Zeit. Darum will er nicht privat behalten, was schön und gut ist, aufregend oder rätselhaft. Kunst, sagt er, könne vielen Leuten doch etwas geben, um die komplizierte Welt ein wenig besser zu verstehen.

Museumsmäzen als gebranntes Kind

Dieser Tage nun gibt Maenz seiner großmütigen Absicht noch einen drauf: Schon seit 2006 hat er der Nationalgalerie und dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin sowie der Stiftung der Freunde der Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst namhafte Arbeiten geschenkt. Die sind nun also erstmals zusammen mit den jüngsten Schenkungen zu sehen, so auch Joseph Kosuths „One and Three Chairs“,1965, ein ikonisches Werk der Konzeptkunst.

Dabei war der Wahlberliner Paul Maenz doch als Museumsmäzen eher ein gebranntes Kind. 1993 hatte er mit den Weimarer Kunstsammlungen vereinbart, einen Teil seiner Sammlung als Dauerleihgabe ans Neue Museum zu geben. Ein weiterer Sammlungsteil wurde sogar angekauft. So kamen Werke von Sol LeWitt, Daniel Buren und Robert Barry in die Klassiker-Stadt. Maenz dachte auch schon an Schenkungen.

Aber nach nur fünf Jahren kündigte der Sammler, fristgerecht zwar, aber enttäuscht von den Partnern. Sein bitterer Vorwurf: Die Stiftung Weimarer Klassik vernachlässige das Museum und die Gegenwartskunst. Zu statisch und konservativ der Umgang mit ihr, zu unlebendig die Vermittlung. Diese Befürchtung hat der Mäzen in Berlin also nicht. Und auch Jahrhundertbaustellen können ihn nicht schrecken.

Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Haus der Nationalgalerie, Invalidenstr. 50-51. Ausstellung vom 22. Februar bis 3.Mai, Di–Fr 10–18/Do bis 20 Uhr, Sa+So 11–18 Uhr