„Wahnsinn!“ war der Ruf der ersten DDR-Bürger zitierend, die plötzlich die Grenzanlagen passieren durften und überschäumendes Glück verspürten.
Foto: Sven Heinemann

BerlinDie Mauer war gefallen, doch sie stand noch überall. Die Monate nach dem 11. November 1989 bleiben als eine eigentümliche Zwischenzeit in Erinnerung. Die Hunderttausenden Heldinnen und Helden der Wendedemonstrationen waren nun damit beschäftigt, zu verstehen, wie ihnen geschah. Das Leben war neu zu organisieren, eine unbekannte Welt zu erobern.

Sven Heinemann, SPD, Mitglied des Abgeordnetenhauses, hat ein Büchlein herausgegeben, das in Fotos und sieben Interviews mit Zeitzeugen Momente dieser wenig beschriebenen Zeit ins Gedächtnis ruft. Er hat ihm den Titel „Wahnsinn!“ gegeben, den Ruf der ersten DDR-Bürger zitierend, die plötzlich die Grenzanlagen passieren durften und überschäumendes Glück verspürten. Das Gefühl war zur Jahreswende schon abgekühlt, und am 4. November 1990, als wieder Demonstranten auf den Alexanderplatz zogen, sah man Schilder mit der resignierten Aufschrift: „Wir war’n das Volk.“

Aber Walter Momper, Regierender Bürgermeister von 1989 bis 1991, der das Vorwort zum Büchlein beisteuerte, hat schon recht: Die Fotos zeigen, wie sehr sich die Stadt glücklicherweise seither verändert hat.

Wahnsinn!

Bilder und Interviews zur Wendezeit aus Friedrichshain-Kreuzberg, Sven Heinemann (Hrsg.), 109 Seiten, Non-Profit-Projekt