Wäre dies nicht ein Jahr voller Begräbnisse, man würde anders auf die Band schauen, die da im Kessel der Waldbühne lärmt. Aber nach dem Tod von Lemmy, Bowie und Prince hängt mehr als nur eine Ahnung von Vergänglichkeit über Black Sabbath. Die drei verbliebenen Gründungsmitglieder Geezer Butler am Bass, Tony Iommi an der Gitarre und natürlich Ozzy Osbourne gehen stramm auf die 70 zu, ihre diesjährige Tour steht unter dem Motto „The End“. Natürlich ist das Ende des Endes inzwischen bis ins Jahr 2017 verlängert. Aber Tony Iommi hat in einem Interview gerade noch einmal erklärt, dass er sich wegen seines Lymphdrüsenkrebses dann endgültig zurückziehen müsse.

Das Publikum tobt und röhrt

Jedenfalls habe ich die Waldbühne selten so tobend und voll erlebt, was nicht nur daran lag, dass viele Sabbath-Fans sowohl Bier wie alles andere in mehrfacher XL-Ausführung brauchen. Gerührt röhren jedenfalls von Beginn an 20.000 Leute auf die Band ein und recken die zu Teufelshörnchen geballten Fäuste in ihre Richtung.

Natürlich brauchen Black Sabbath den Stimmungsbooster aus Band- und allgemeinem Ende nicht wirklich: Ihr Heavy Metal lebt schließlich seit bald 50 Jahren von der Reise in die Unterwelten und davon, dass überall ein grundsätzliches, metaphysisches Ungemach heraufdräut und -dämmert.

Zudem liegt das letzte Album der Band gerade drei Jahre zurück – es war das erste mit Osbourne seit 1978. Das insgesamt 19. Album hieß „13“ und wurde, betreut von Rick Rubin, allenthalben begrüßt, wobei man gerade Osbourne die solide Amtlichkeit des Sounds nicht mehr zugetraut hatte. War er im Jahrzehnt zuvor doch vor allem noch als Vorstand seiner dysfunktionalen Reality-TV-Familie aufgefallen; als Angehöriger der Trash-Elite von Los Angeles schien er eigentlich längst zu unseriös für britisch-satanistischen Metal.

Klassisches, frühes Repertoire

In der Waldbühne beschränkten Black Sabbath sich auf ein klassisches, frühes Repertoire und verzichteten auf die anderswo eingestreuten „13“-Titel „End of the Beginning“ und vor allem „God Is Dead?“ mit dem interessanten Fragezeichen. Dafür begannen sie plangemäß mit dem Titel- und Themensong vom 1970er-Debüt „Black Sabbath“. Inspiriert von einem Frühsechziger-Horrorfilm des großen Mario Bava und – wie es sich gehört – mit tritonischer Harmonik verdüstert, begründete der Song die satanistische Tradition im harten Rock, wenn er im Refrain den Leibhaftigen um die Ecke kommen lässt: „Is it the end my friend? Satan’s coming round the bend.“