Gitarrist Manuel Christoph Poppe und Sänger Marco Michael Fitzthum (v.l.) von „Wanda“ (Archivbild)
Foto: imago images/Future Image

BerlinDass Berlin für Wanda eine besondere Station auf ihrer gerade begonnenen „Ciao“-Tour ist, lässt Frontsänger Marco Michael Fitzthum nach dem ersten Song, „Bussi Baby“, durchblicken. „Berlin, ihr seit´s so schön, so viele“ ruft er überwältigt in die ausverkaufte Multifunktionsarena, worauf frenetischer Jubel aufbrandet. Ausverkaufte Hallen ist die Band gewohnt, die etwa 12.000 Zuschauer sind aber auch für sie eine besondere Kulisse. 

Doch zunächst spielt Das Moped im Vorprogramm. Das deutschsingende Trio hat ein paar ansprechende Songs im Gepäck, die synthielastig und verspielt offensichtlich eine Hommage an die Achtziger sind. Auch in ihrem Zentrum steht die totale Liebes-Hingabe, nur in einer verträumteren Form, als das was danach folgen wird.

Es wird mitgesungen, geschwitzt und gepogt

Ein im Anschluss hochgezogenes „Amore“-Banner schirmt die Techniker ab und kündet von der thematischen Fortsetzung. Da Moped das Publikum eher besinnlich stimmte, ist der Auftritt von Wanda ein akustisches Feuerwerk, was sich auch in der Reaktion des Publikums entlädt.

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Da stehen sie, in gewohnt ranzig-schicker Garderobe, die fünf Jungs aus Wien (Lukas Hasitschka am Schlagzeug, Manuel Christoph Poppe und Reinhold Weber an den Gitarren, Christian Hummer vor einem Keyboard und natürlich Sänger Marco Michael Fitzthum) und beginnen mit stimmungsvollen Klassikern ihrer Albenhistorie: Das schon genannte „Bussy Baby“, „Weiter Weiter“, „Luzia“ oder „Mona Lisa der Lobau“ versetzen die Halle in „Wanda-Ekstase“: Es wird mitgesungen, mitgeschwitzt und in den ersten Stehplatzreihen gepogt.

Die erste Singleauskopplung vom neuen Album „Ciao“.

Video: YouTube/Wanda

Anders als die geschliffenen Studioversionen wirken die Songs in der Live-Performance fetziger, kantiger, unterstreichen den gelebten Rock‘n‘Roll der Band, die nicht umsonst The Doors als eine ihrer wichtigsten musikalischen Referenzen ausgibt.

Ohne Drogen auf der Bühne, werden die Songs besser

Die Band, die in der Vergangenheit durch exzessive Konzertauftritte auffiel, kommt an diesem Abend „fast“ ohne Alkohol und Zigaretten aus. Wieso, erklärt Marco Michael Fitzthum in einer der kurzen Zwischensequenzen: Ohne die Drogen auf der Bühne, werden die Songs besser, und die Ansagen schlechter. Das Publikum erklärt sich einverstanden. 

Ob man die Musik von Wanda nun Austropop, Indiemusik, klassisch Rock‘n‘Roll oder sogar, wie der Rolling Stone spottet, Schlagerrock labeln will, die Antwort auf die Gattungsfrage bleibt verschwommen wie die thematischen Spannungsfelder, von deren Ambivalenzen die Band lebt: Oft handeln die Lieder von Liebe und Leid, Schmerz und Freude, Todes- und Lebenssehnsucht zugleich. So besingt Marco Michael Fitzthum in „Ich sterbe“ das Ableben, melancholisch, rhythmisch, leicht schlagerhaft anmutend. Aber welcher Schlager erzählt so schön vom Tod? Alles scheint in allem enthalten, Wanda lebt von den Gegensätzen, die sie zelebriert.

Die Liebe ist echt und wechselseitig

Gespielt werden vor allem in der ersten halben Stunde die Klassiker der vergangenen Alben „Amore“ und „Niente“, unauffällig reiht sich der Song „SOS“ von der neuen „Ciao“-Platte ein. Später folgen die erste Singleauskopplung „Ciao Baby“ und ein Stück, das zum Highlight des Abends wird. Flankiert von Geigern und einem Cello im Hintergrund singt Fitzthum in „0043“ von „traurig-schönen“ Kindheitserinnerungen. In dem deutlich melodischeren, ja balladenhaften Lied versinkt das Publikum, und dankt anschließend in ohrenbetäubender Lautstärke. Die Band ist gerührt, die Liebe echt und wechselseitig.

Es ist ein Abend der Aufopferung: Wanda stellt sich in den Dienst ihrer Fans, das sieht und hört man. „Amore“, Titel des ersten Studioalbums, war keine Plattitüde, kein sexy Marketing, sondern lässt die Band auch heute nicht los. Es ist ein Versprechen, nach wie vor. Sie meint es ernst mit ihrem Liebesauftrag.