In und um Berlin muss man nicht lange nach den Spuren von Theodor Fontane suchen. Fontane war einfach überall. 27 Jahre streifte der Dichter durch das Berliner Umland, seine Reiseberichte sind fünfbändig als „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ bekannt geworden. Ob Havelland, Spreewald, Fläming oder Märkische Schweiz, Fontane, so scheint es jedenfalls, hat jedes Städtchen, Kloster, jeden See und jede Kirche Brandenburgs besucht.

In Fontanes Fußstapfen

Begleitet vom leidenschaftlichen Wanderer Frank Meyer, der in einem Blog seine vielen Wanderungen durch Brandenburg dokumentiert, starte ich in Falkenberg, um auf dem beliebten Turmwanderweg bis nach Bad Freienwalde zu wandern. Dort, wo das Oderbruch an die Hochflächen des Barnims grenzt, findet man eine Strecke, die Fontane genau beschrieben hat. Man tritt also wirklich in Fontanes Fußstapfen.

Die Tour ist mit kleinen Abstechern knapp 15 Kilometer lang. Leicht zu schaffen auch an einem Wintertag, wenn es früh dunkel wird. Start- und Endbahnhof sind gut mit der Bahn erreichbar – eine Stunde dauert die Fahrt von und nach Gesundbrunnen.

Ein weiter Blick über Falkenbergs Dächer, Schluchten und Berge

Falkenberg ist ein schönes Örtchen mit prachtvollen Villen, einem reißenden Bach und einer alten Wassermühle. Wegen seiner hohen Lage an den steilen Hängen des Barnim-Plateaus von Fontane als „gebirgsdorfartig“ bezeichnet, begrüßt es den Besucher mit einem Fontane-Denkmal. Genau hier beginnt der Wanderweg.

Der Experte für Fontanewanderwege, mein Begleiter Frank Meyer, hat das anstehende Jubiläum zu Fontanes 200. Geburtstag zum Anlass genommen und sämtliche Fontanewege in Brandenburg erlaufen. „Meine Wanderschuhe halten im Schnitt sechs Monate. Dann ist die Sohle runter.“ Im kommenden Jahr soll ein Wanderbuch erscheinen.

Gleich zu Beginn der Wanderung kommt man an der Ausflugsgaststätte Carlsburg vorbei, in der natürlich auch schon Fontane Rast gemacht hat. Von der Terrasse hat man einen weiten Blick über Falkenbergs Dächer, Schluchten und Berge.

Den größten Krach macht ein Specht

Der Wanderweg nach Bad Freienwalde führt durch eine Bergwelt, die sonst in Brandenburg nur mit der Märkischen Schweiz vergleichbar ist. Nebel liegt in den Wäldern, die Luft ist kalt und klar. Kleine Atemwölkchen begleiten die Schritte durch raschelndes Herbstlaub, das dick auf dem Waldboden liegt. Gipfel werden erklommen, dann geht es wieder bergab, um kurz darauf einem Bergkamm zu folgen.

Vom ständigen Hoch und Runter brennen die Waden. Die Wege sind sehr gut markiert und von vielen Highlights flankiert. Auf dem beliebten Turmwanderweg liegt der Bismarckturm, ein Gipfelkreuz markiert den Märkischen Watzmann, am wunderschönen Teufelsee kann man von Buchen und Eichen umgeben sein Pausenbrot auspacken und tief durchatmen. Den größten Krach macht ein Specht.

Richtung Bad Freienwalde passiert man ein ganzjährig geöffnetes Naturschutzhaus, die Geburtsstätte der Naturschutz-Eule. Auch hier gibt es einen Aussichtsturm. Ein Stück weiter überrascht Deutschlands nördlichste Skisprungschanze. Die Wanderung endet im Kurparkgelände von Bad Freienwalde.

„Freienwalde ist kein Roulette- und Equipagen-Bad. Hier wird noch gefrühstückt. Hier sucht noch kein grüner Tee die alte Herrschaft des Morgenkaffees zu untergraben“, schreibt Fontane über das märkische Bad. „Nicht der Welttourist, nur die Mark selbst kehrt hier zu Besuch bei sich ein.“