Senderzentrale des  RBB in der Berliner Masurenallee. Die Anstalt fährt bei ihrer Kulturwelle einen harten Sparkurs.
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BerlinEs ist einiges in Bewegung beim RBB. Am Mittwoch meldete die Zeit, der Chefredakteur des Senders Christoph Singelnstein habe ihr gesagt, man wolle künftig keine Sommerinterviews mehr mit Landespolitikern führen. Das Format „Politik am See“ werde eingestellt, es sei „veraltet“. Hintergrund dürfte das im Juli ausgestrahlte, komplett misslungene Interview mit dem damaligen AfD-Politiker und Rechtsextremisten Andreas Kalbitz sein, für das der RBB viel Kritik einsteckte. Aber muss man deswegen gleich das gesamte Format einstellen? 2018 zeigte der bestens vorbereitete Thomas Walde vom ZDF in einem Gespräch mit Alexander Gauland, dass man AfD-Politiker auch in der lauschigen Kulisse eines Sommerinterviews in Bedrängnis bringen kann.

Immerhin könnte nun an dieser Front Ruhe herrschen. Anderswo droht es hingegen recht unruhig zu werden: Ab dem 14. September beginnt der Umbau des Programmschemas von RBB Kultur. Bei der Hörfunkwelle soll eine Million Euro eingespart werden. Diese Summe entspricht zehn Prozent des Gesamtetats von RBB Kultur. Nach Angaben der Freien-Vertretung im Sender soll aber nahezu ausschließlich bei freien Journalisten gespart werden. Eine RBB-Sprecherin bestreitet das.

Wie in nahezu allen öffentlich-rechtlichen Anstalten arbeitet auch beim RBB die große Mehrheit der programmprägenden Mitarbeiter auf freiberuflicher Basis. Franziska Walser, Freien-Vertreterin im Sender, schätzt die Zahl der arbeitnehmerähnlich beschäftigten freien Mitarbeiter bei RBB Kultur auf „über 80“.

Für „etwa 40 bis 50 von ihnen“ sei der RBB der wichtigste Auftraggeber. Folglich ist die Furcht im Sender groß. „Hier stehen Existenzen auf dem Spiel“, sagt einer. Von freien Mitarbeitern kann man sich jederzeit problemlos trennen. Eine Sozialauswahl ist nicht erforderlich. Immerhin gewährt der RBB ihnen Ausgleichszahlungen, die maximal drei Jahre lang fließen können. Die meisten Mitarbeiter dürften diese Zahlungen aber nur wenige Monate erhalten. Die Sprecherin teilt mit, ihr Haus werde seiner „Sozialverantwortung … entsprechend den gültigen Regelungen wahrnehmen“.

Laut einer internen Liste werden Formate wie „Das Porträt“, „Geschmackssache“, „CD der Woche“, „The Voice“ sowie diverse Ausgaben der „Kulturnachrichten“, von „Kultur Aktuell“ und dem „Kulturtermin“ wegfallen. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass sich der Wortanteil am Programm verringert. Ersetzt werden könnten die gestrichenen Formate durch Moderationen und Gespräche im Studio sowie durch Wiederholungen. Manche im Sender befürchten, dass über kurz oder lang ein Mantelprogramm für alle ARD-Kulturwellen entstehen könnte, das dann auch RBB Kultur übergestülpt würde.

Hintergrund der Einsparungen ist offenbar, dass RBB Kultur teurer ist als vergleichbare Kulturprogramme anderer ARD-Anstalten. Zudem soll die Reichweite der Hörfunkwelle zuletzt kontinuierlich gesunken sein. Allerdings versteht sich RBB Kultur nicht nur als Radioangebot. Unter dieser Dachmarke werden seit Mai 2019 medienübergreifend alle kulturellen Angebote des Senders gebündelt.