Berlin - Bereits im vergangenen Jahr war auch in der Berliner Zeitung die Nachricht zu lesen gewesen, dass die Ausstellungen der Staatlichen Museen und jene des Berliner Stadtmuseums im künftigen Humboldt-Forum vermutlich nicht pünktlich zu dessen feierlicher Eröffnung gezeigt werden können. Neben dem Innenausbau des Gebäudes verzögerte sich auch die Fertigstellung der Klimaanlage. Immer wieder war eine entsprechende Übergabe verschoben worden, zu der es dann schließlich vor wenigen Wochen kam.

Folglich wird auf der ambitioniertesten Kulturbaustelle Deutschland im Innern noch immer verputzt, gesägt, gebohrt und gehämmert. Um das Klimasystem nicht mit Staub zu belasten, wird es also nicht eingestellt und auch nicht angemessen erprobt werden können. Damit verschiebt sich auch die Einrichtung der Ausstellungen zur Kunst- und Kulturgeschichte Afrikas, Asiens, Nord- und Südamerikas sowie des Pazifiks. Das Museum für europäische Kulturen ist übrigens weiterhin aus dem Humboldt-Forum ausgeschlossen, obwohl die Fachwelt seit Jahren diese Fortsetzung der rassistischen Trennung zwischen „weißer“ und „nicht-weißer“ Welt aus den alten Völkerkundemuseen kritisiert.

Elfenbein ist zu empfindlich

Sei es drum. Eine der Sonderausstellungen, die im Humboldt-Forum die Lücke im Terminkalender zwischen der rein symbolischen Eröffnung der Café- und Kulturshoppingzone im Erdgeschoss und den Hauptausstellungen in den Obergeschossen überwinden sollte, wäre der Kunst der Elfenbeinbearbeitung aus aller Welt gewidmet gewesen.

Aber auch diese als exquisit angekündigte Ausstellung musste nun abgesagt werden. Der Louvre, die Londoner Museen, das Museum of Modern Art und auch die Staatlichen Museen zu Berlin selbst haben ihre Zusagen von einem stabilen Klima abhängig gemacht – Elfenbeine und andere Zahnmaterialien gehören zu den empfindlichsten Ausstellungsgütern überhaupt. Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung vom Donnerstag können die technischen Forderungen offenbar nicht erfüllt werden. Die Ausstellung kann frühestens 2020 gezeigt werden.

Man darf vermuten, dass die neuerliche Verschiebung nach der Stiftungsratsitzung Ende Juni damit begründet werden wird, dass das Haus zunächst einmal als „reine Architektur“ auf das Publikum wirken können solle. So wie einst das Jüdische Museum schon als leeres Haus zum Welterfolg wurde. Beim Humboldt-Forum ist allerdings kaum davon auszugehen, dass die sehr nüchternen Innenräume solche Faszination ausüben können.

Vitrinen mit billigem und stark spiegelnden Glas 

Es geht also vor allem darum, dass auf diese Weise ganz grundsätzliche Probleme des Berliner Großprojektes politisch kaschiert werden: Über Jahre hinweg war der Nachbau der Barockfassaden der Politik weit wichtiger als das, was dahinter geschehen soll. Die zweite heilige Kuh der Politik bestand in der klaren finanzpolitischen Ansage: Keine Kostensteigerungen. Auch nicht, um bessere Ausstellungsbedingungen zu erreichen.

Statt einige Millionen nachzusteuern, wurde vom Bundestag eisern an dem rein politisch festgelegten Kostenrahmen von „unter 600 Millionen“ festgehalten. Um dieses Ziel wenigstens nominell erreichen zu können, musste Franco Stella schon um 2009 seinen Entwurf einer offenen „Loggia“ an der Spreeseite zu einer schlichten Fensterwand zusammendrängen, sodass die Platznot im Haus noch größer wurde.

Die Säle, die ursprünglich für Bibliotheken gedacht waren und nun sinnvollerweise für Ausstellungen genutzt werden sollen, erhielten nicht die daraus ausgerichteten Klimaanlagen. Vitrinen wurden mit billigen, aber stark spiegelnden Gläsern bestellt. Überhaupt entspricht die technische Ausstattung des Humboldt-Forums nach Angaben von Kuratoren und Restauratoren überwiegend eher den Stand der mittleren 90er-Jahre, also kaum den heute geltenden Standards.

Gesamtkonzept des Humboldt-Forums gescheitert 

Auch wurden Forschungs- und Restaurierungskosten oder die Transportkosten in Sonderetats ausgelagert. Dazu kamen die Eingriffe der drei Gründungsintendanten Hermann Parzinger, Neil McGregor und Horst Bredekamp: Sie sind in der Suche nach einem Gesamtkonzept für das Humboldt-Forum zwar fulminant gescheitert, haben den Staatlichen Museen aber Tausende von Quadratmetern aus dem fertigen Ausstellungskonzept herausgebrochen, um Sonderausstellungsflächen zu schaffen.

Für deren Nutzung sind indessen weder die Etats noch dauerhafte Konzepte vorhanden. Da kann man im Interesse einer Debatte um die Zukunft des Humboldt-Forums inzwischen nur konstatieren: Welch ein Glück, dass Elfenbeine ein so heikler Stoff ist.