Das Zitronencafé im Körnerpark serviert Curryhühnchen mit Reis, Gemüse und Salat.
Sabine Gudath

BerlinNatürlich bin ich für Sie immer auf der Suche nach dem besten Essen in der Stadt. Doch manchmal stoße ich dabei auch auf andere Dinge, die mich am Ende mindestens ebenso glücklich und das Essen fast zweitrangig machen. So passiert ist mir das gerade mit einem Laden, der den hübschen Namen Zitronencafé trägt.

Um es gleich vorweg zu sagen: Ins Zitronencafé müssen Sie nicht unbedingt wegen des Essen-Angebots. Es gibt ein gutes Frühstück, etwa einen Käse- oder Wurstteller, griechischen Joghurt mit Honig und das übliche Rührei in verschiedenen Variationen. Zur Mittagszeit kocht die Küche täglich eine Suppe und ein Hauptgericht.

Auch das Kuchenangebot hier ist nicht schlecht: Man hat die Wahl zwischen sechs, sieben verschiedenen Kuchen, alle selbst gebacken, bei meinem Besuch duftet das Café nach Orangen.

Juris veganer Orangenkuchen ist noch warm, ein simpler Rührteig als Blechkuchen wurde in Quadrate geschnitten, er ist kein bisschen trocken und durchzogen von bitter-süßem Aroma, wie man es sonst nur von englischer Orangenmarmelade kennt.

Orangerie mit Galerie für Gegenwartskunst und Zitronencafé

Doch nicht deswegen lohnt es sich, extra hierher zu fahren. Es ist in diesem Fall tatsächlich der Ort, der glücklich macht. Das Zitronencafé liegt im Körnerpark in Neukölln-Rixdorf. Ich hatte bis vor kurzem noch nie davon gehört – geschweige denn geahnt, dass solch ein Parkjuwel sich in dieser Stadt versteckt. Ein kleines Stück Sanssouci samt Wasserkaskade mitten in Berlin. Der Körnerpark heißt so, weil ein Herr Körner Ende des 19. Jahrhunderts viel Geld mit Kies verdiente und eine seiner Kiesgruben zu seinem privaten Gartenparadies ummodeln ließ.

Körner war ein passionierter Gärtner, er züchtete etwa eine neue Riesensonnenblume, die er Reichskanzler Bismarck widmete und die noch heute als Saatgut vertrieben wird. Im kesselförmigen, tiefliegenden Zentrum seines Parks schuf er ein Blumen- und Obstparadies.

Körner war aber auch ein Wohltäter. Die Rixdorfer Kinder durften im Sommer bei ihm Beeren pflücken, und im Winter legte er für sie eine Eisbahn in seinem Garten an. Ein Jahr vor seinem Tod übereignete er der Stadt den Park, geknüpft an die Bedingung, dass er öffentlich zugänglich sein müsse und im Orangeriegebäude seine von Reisen mitgebrachte Sammlung von Kristallen, Kamelschädeln und ähnlichem Platz finde.

Die Stadt hielt ihr Versprechen, zumindest teilweise. Der Park gehört den Bürgern, die Körnersche Sammlung ließ sie allerdings über die Jahrzehnte verrotten. Heute beherbergt die Orangerie eine kommunale Galerie für Gegenwartskunst und das Zitronencafé.

Hoffentlich bleibt das Zitronencafé von Änderungen verschont

Bei meinem Besuch macht ein arabisches Hochzeitspaar gerade Bilder vor dem neobarocken Gebäude, im Café sitzen Junge und Alte, es ist kein klar definiertes Publikum, vielmehr scheinen sich die sozialen und kulturellen Hintergründe hier zu mischen, was in vielen Läden heute ja nicht mehr der Fall ist.

Der Mittagstisch besteht aus einer grob passierten Blumenkohlsuppe mit leichter Kokosnote, die dickflüssig ist und gut schmeckt, und einer karibischen Hühnchenkeule mit Reis. Das Gericht erinnert mich an deutsche Hausmannskost und die ersten Bemühungen, ihr einen exotischen Touch zu verleihen.

Die Keule wurde süßlich mariniert, die leicht zuckrig und zugleich mild-scharfe Soße mit Rosinen aufgepeppt. Schade ist, dass der Blattsalat etwas lieblos mit auf dem Teller liegt, weshalb er sich mit der warmen Soße mischt.

Ein geschulter, optimierungswütiger Gastronomenblick könnte sofort umreißen, was man alles aus diesem wunderbaren Ort machen könnte. Ich jedoch hoffe, dass das Zitronencafé davon verschont bleibt. Es ist perfekt, wie es ist.

Zitronencafé im Körnerpark

Schierker Str. 8, Neukölln. Mo–So 10–20 Uhr. Frühstück zwischen 5 und 12 Euro, Kuchen und Suppen 3,50–4 Euro, Mittagsgericht 7 Euro.