Das Verlagsgebäude der Süddeutschen Zeitung in München: Bis zu 55 Redakteure müssen gehen.
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BerlinAls die erste Corona-Welle über Deutschland schwappte, war das Nachrichtenbedürfnis der Menschen groß. Die Klickzahlen der News-Portale legten stark zu. Die Auflagenverluste der Tageszeitungen verlangsamten sich, die Wochenblätter verzeichneten gar ein leichtes Auflagenplus. Dennoch: Corona hat der Medien- und insbesondere der Printbranche schwer geschadet. Das Werbegeschäft brach ein, das Veranstaltungsgeschäft, das für zahlreiche Medienhäuser längst mehr als nur ein Zubrot ist, liegt komplett darnieder.

Mitte der Woche wurde bekannt, dass die Handelsblatt Media Group (HMG), die mit Events wie dem Auto- oder dem Energiegipfel besonders stark auf Veranstaltungen setzt, bis zu 80 Arbeitsplätze abbauen wird. Der Branchendienst Kress berichtete zuerst darüber. In der Redaktion des „Handelsblatts“ werden unterm Strich 20, beim Schwesterblatt „Wirtschaftswoche“ acht Arbeitsplätze gestrichen. Die übrigen Stellen fallen in anderen Verlagsbereichen weg.

Die HMG, die zur DvH Medien des Verlegers Dieter von Holtzbrinck gehört, in der auch der Berliner „Tagesspiegel“ und die Wochenzeitung „Die Zeit“ erscheinen, mag das nicht kommentieren. Eine Sprecherin sagt lediglich, ihr Haus sei „von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise betroffen“, weshalb man sich „auf strategisch wichtige Wachstumsfelder“ konzentrieren und fokussieren würde.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass man bei der HMG – Corona hin oder her – die Veranstaltungsbranche, im Gegensatz zum redaktionellen Kerngeschäft, offenbar als „strategisch wichtiges Wachstumsfeld“ identifiziert hat: Die etwa 130 Mitarbeiter der Veranstaltungstochter Euroforum sind nach Informationen der Berliner Zeitung von der Stellenstreichung nicht betroffen. Sie wurden entweder in andere Abteilungen versetzt oder in Kurzarbeit geschickt. Auch dazu will sich die HMG nicht äußern.

Einen Kahlschlag in der Redaktion wird es auch bei der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) geben. Mitte September wurde bekannt, dass dort bis zu 55 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Das sind rund zehn Prozent der redaktionellen Gesamtbelegschaft. Der Verlag lockt mit Abfindungen in Höhe von bis zu 134.000 Euro. Offenbar wird dieses Angebot gut angenommen. Wie es in Verlagskreisen heißt, sollen vor allem technische Mitarbeiter des SZ-Digitalauftritts von ihm Gebrauch machen, die kein Problem haben dürften, neue, gut dotierte Jobs zu finden.

Gespart wird bei dem Blatt wohl noch an anderer Stelle: Nach Angaben aus Verlagskreisen will sich die SZ auch von nicht festangestellten Pauschalisten trennen, die keinen Anspruch auf eine Abfindung haben. Wie groß dieser Personenkreis ist, ist unklar. Der Verlag ließ eine Anfrage zu dem Thema unbeantwortet.

Bemerkenswert ist, dass die SZ ihren Personalabbau ausdrücklich nicht mit Corona begründet. Klar ist, dass die Pandemie die ohnehin bestehende Strukturkrise der Printmedien nur verschärft hat. Ob man ihrer durch Personalabbau in den Redaktionen wirklich Herr wird? Die Berliner Zeitung geht den umgekehrten Weg: Sie stellte in den vergangenen zwölf Monate 28 Journalisten ein. Bis zum Jahresende sollen weitere 15 bis 20 Redakteure hinzukommen.