Nach knapp drei Minuten schlägt Terence Hill, genauer gesagt sein Synchronsprecher Thomas Danneberg, zum ersten Mal dazwischen und unterbricht: „Das soll ein Film über meinen Kumpel Bud sein, mit dem ich so viele unrasierte Schnauzen poliert habe!?“ Gerade eben hatte ein Jugendfreund des Schauspielers Carlos Pedersoli, der später als Bud Spencer bekannt werden sollte, in Erinnerungen an deren gemeinsame Zeit in Neapel geschwelgt.

Doch diese Hommage will ja gar keine konventionelle Biografie sein. Der Film des Österreichers Karl-Martin Pold erzählt das ungewöhnliche Leben des Carlos Perdersoli nicht nur aus Sicht von Fans, sondern macht deren Begeisterung zum eigentlichen Thema. Der Regisseur, selbst Liebhaber der Italo-Westernklamotten, war schon während seines Studiums der Popularität des Mimen nachgegangen und hatte vor acht Jahren Gleichgesinnte aufgerufen, an dem Projekt mitzuwirken.

Blinder Filmfan

Die beiden Helden seines Films hat er mit Hintersinn ausgewählt. Marcus Zölch, ein Musikmanager aus Augsburg, den die Ulkfilme nach einer schweren Wirbelsäulen-OP wieder aufgerichtet hatten, sieht mit seinen blauen Augen und blonden Haaren ein wenig aus wie Terence Hill.

Jorgo Papasoglou aus Berlin, wiederum kennt die Filme nur über die Synchronstimmen: Er ist von Geburt an blind und ähnelt in Statur und seinem gemütlichen Wesen Bud Spencer. Der Blonde und der Blinde werden zum ersten Mal 2011 mit der Kamera begleitet, als Bud Spencer seine Autobiografie in Deutschland präsentierte und Tausende Fans Schlange stehen. Marcus und Jorgo werden abgewiesen und reisen ihrem Idol im Kleinbus hinterher.

Schmerzen der Stuntmänner

Das Roadmovie startet holprig. Denn zunächst müssen Marcus und Jorgo quer durch Frankreich reisen, wo sie sich mit Mario Pilar treffen, besser bekannt als „Zwei-Finger-Joe“, dann geht es weiter zu „Silberlocke“ Ricardo Pizzuti. Daneben hat Regisseur Pold noch mehr als ein Dutzend Leute aus Spencers Umfeld interviewt, von prägenden Drehbuchautoren, Regisseure und Komponisten bis zum Stuntman – und natürlich kommt auch Mario Girotti alias Terence Hill zu Wort.

Stuntmänner wissen noch, dass sie die legendären Fäuste des Drei-Zentner-Mannes mitunter tatsächlich im Gesicht spürten, weil Bud Spencer extrem kurzsichtig gewesen sei. Ein Regisseur erzählt, dass er von den 40 Fleischbällchen, die sich Bud Spencer einmal bestellt hatte, nicht ein einziges abbekam – hier verstand der keinen Spaß. 

Erfolglose Neunziger

Der Film lebt vor allem davon, wie gekonnt hier Episoden und Anekdoten mit Filmszenen kombiniert werden – dieses anspielungsreiche Puzzle dürfte für Fans ein großer Spaß sein. Ebenso passend die Kommentierung, die der originale deutsche Synchronautor Rainer Brandt beisteuert: Hier sind Ohren noch „Horchlappen“, der Mund ist eine „Kauleiste“ und ein Restaurant ein „Schmackofatz-Tempel“. Alles, was den Fankult stören könnte, wird aber ausgeblendet, etwa die Frage, warum das Duo, das über 100 Millionen Zuschauer in deutsche Kinos Ost wie West gelockt hatte, in den 90ern erfolglos blieb.

Da jeder Bud-Spencer-Film ein Happy-End hat, treffen Marcus und Jorgo schließlich ihr Idol in Rom – und dürfen mit ihm Spaghetti essen. Ein Halleluja für die Fans! Kurz nach Abschluss der Dreharbeiten starb Bud Spencer im Juni 2016.

Sie nannten ihn Spencer Dokumentarfilm, Deutschland/Österreich 2017, Buch und Regie: Karl-Martin Pold, 122 Minuten.