Sieben Formate werden beim RBB Fernsehen wegen der Corona-Krise gestrichen.
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BerlinZu Recht erhalten ARD und ZDF viel Lob für ihre umfassende Berichterstattung zur Corona-Pandemie. Dass die vielen Sondersendungen zur Krise anderswo Lücken reißen, liegt auf der Hand. Und doch sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres am Dienstag, reguläre journalistische Formate hätten am wenigsten unter Ausfällen zu leiden hätten, die auf die Pandemie zurückzuführen seien.

Das mag für das Erste zutreffen. Bei den dritten Programmen sieht die Lage völlig anders aus: Allein das RBB Fernsehen wird bis zum 28. März wegen der Corona-Krise sukzessive sieben journalistische Formate aus dem Programm nehmen. Betroffen ist das „Heimatjournal“ ebenso wie das deutsch-polnische Format „Kowalski & Schmidt“ und das Gesellschaftsmagazin „Unser Leben“. Auf „Luzyca“, die Sendung für die sorbische Minderheit, müssen die Zuschauer ebenso verzichten wie auf das Fahndungsmagazin „Täter - Opfer - Polizei“ und die „RBB Gartenzeit“. Zudem entfällt die Satiresendung „Abendshow“.

Eine RBB-Sprecherin sagt, man wolle „Kräfte schonen“. Es gehe – etwa bei Reportage-Formaten wie „Kowalski & Schmidt“ oder dem „Heimatjournal“ - darum, „vermeidbaren Gesundheitsrisiken vorzubeugen“. Zudem könne man so „besser auf mögliche krankheitsbedingte Engpässe reagieren“. Die Mitarbeiter der gestrichenen Formate werden für die Corona-Berichterstattung benötigt. Die aktuellen Berichte von der Krise verhielten sich zu den regulären Formaten wie „kommunizierende Röhren: Mehr vom Einen und weniger vom Anderen“.

Nach dieser Devise verfahren nahezu alle dritten Programme. Eine ARD-Sprecherin bestätigt, dass in praktisch in allen Landesrundfunkanstalten die Berichte über die Corona-Krise „Auswirkungen auf die Regelsendungen“ hätten. So werden im NDR etwa die Redaktionsräume des vorerst gestrichenen Formats „Mein Nachmittag“ benötigt, um für NDR Info einen zweiten Newsroom einzurichten. „Es werden Havarie-Teams räumlich voneinander getrennt, damit sie sich nicht begegnen und im Falle einer Ansteckung eines Teams unabhängig voneinander einsetzbar sind“, erklärt eine NDR-Sprecherin die Maßnahme. Die prominenteste NDR-Sendung, die wegen der Corona-Krise abgesetzt wird, ist „Zapp“, das einzige Medienmagazins des deutschen Fernsehens.

Auch das WDR Fernsehen hat ein ausgesprochen populäres Format einstellen müssen. Es handelt sich allerdings nicht um eine journalistische Sendung, sondern um Comedy: „Dittsche“ von und mit Olli Dittrich kann nicht mehr produziert werden, weil der Hamburger Imbiss, in dem das Format gedreht wird, wegen des Coronavirus‘ geschlossen wurde.

Dass auch im Ersten Unterhaltungssendungen und - langfristig - Filme sowie Serien wegen der Corona-Krise entfallen können, hatte Herres bereits angekündigt. Es könne deshalb mehr Wiederholungen geben. Womöglich muss das Erste sein Programm mit Ware aus der Konserve fluten. Denn was man von Mitte Juni bis Mitte Juli anstelle der abgesagten Fußball-EM zeigen will, weiß man in der ARD noch nicht. Und wenn es ganz dumm läuft, fallen dieses Jahr auch noch die Olympischen Spiele aus.