Berlin - Der Wahlkampf wird hitzig, auch wenn man das in den dazu verbreiteten Rundfunk- und Fernsehprogrammen nur bedingt bemerkt, weil die sorgsam ausgewählten Moderatorinnen und Moderatoren vor allem darum bemüht sind, beflissen die verbrauchten Redekontingente zu kontrollieren. Dass Medienleute keineswegs nur neutrale Mittler des politischen Spektrums, sondern Meinungsträger mit offenbar beachtlichem Gefahrenpotenzial sind, zeigt auf bizarre Weise ein Konflikt um den RBB-Moderator Jörg Thadeusz, der in die Schusslinie geraten ist, weil er einen Text in einer FDP-Publikation veröffentlicht hat. Er hat damit gegen ein Neutralitätsgebot des Senders verstoßen. Dort dürfen Mitarbeiter laut Geschäftsordnung während eines Wahlkampfs in den sechs Wochen vor dem Wahltermin in keiner Rundfunksendung auftreten, wenn sie sich im Wahlkampf aktiv betätigen.

Nicht unbedingt lustig für die FDP

Das ist nobel formuliert, wirkt mit Blick auf die publizistische Praxis aber wie das Abstandsgebot in geschlossenen Räumen bei erhöhter Virenlast. Jörg Thadeusz war über viele Jahre Mitarbeiter der Berliner Zeitung. In seiner Kolumne „Lieber Herr Thadeusz“ hat er Fragen der Redaktion zum aktuellen gesellschaftlichen Geschehen beantwortet – pointiert, satirisch und manchmal auch bierernst. Seine Texte lebten von einem gepflegten Überschuss an Selbstironie, der kaum etwas – und schon gar keine festgefügte politische Position – heilig war. Er hat in seiner Kolumne gelegentlich auch über sein Verhältnis zur FDP geschrieben. Das war oft lustig, aber nicht unbedingt für die angesprochene Partei.

Thadeusz hat nun Pause. Die Partei, bei der er sein Kreuz macht, wird das verkraften. Ärger sieht es für die politische Kultur in den öffentlich-rechtlichen Medien aus, die durch ihr Beharren auf Proporz und Korrektheit eine Chance zur gewitzten Kontroverse verspielt.