Der Rapper Olexesh bei einem YouTube-Jahresrückblick im Jahr 2018.
Foto: dpa/Christoph Soeder

Capital Bra, Olexesh, Kool Savas: Schaut man in die deutschen Musikcharts, kommt man an diesen Namen nicht vorbei. Es sind Rapper mit Migrationshintergrund, die meist dröhnende Beats und konfrontative Texte raushauen. Neben Themen wie Geld, Liebe und Gewalt geht es oft auch um Heimat, Zugehörigkeit und Rassismus. Die Meister des Sprechgesangs wollen berühren und dabei ihre höchst eigene Geschichte erzählen. 

Der Autor und Journalist Juri Sternburg hat diese Themen nun aufgegriffen und in seinem neuen Buch „Das ist Germania“ 15 Rapper mit Einwanderungsgeschichte porträtiert. Er stützt sich dabei auf persönliche Interviews, die unter anderem in der YouTube-Serie „Germania“ zu sehen sind. Die Künstler behandeln darin die zentralen Fragen: Was ist deine Heimat, was deine Identität?

Olexesh etwa, der bürgerlich Olexij Kossarew heißt und aus Darmstadt kommt, beantwortet sie so: „Ich bin drei in eins. Ich sehe mich als Russen, weil mein Vater Weißrusse ist. Ich sehe mich als Ukrainer, weil meine Mutter daher stammt. Ich bin Deutscher, weil ich hier aufgewachsen bin und die Leute mich hier gut empfangen haben, schon seit dem Kindergarten.“

Den Machern der YouTube-Serie „Germania“ war es wichtig, in ihrer Reihe eine große Diversität zu zeigen – einzelne Geschichten und Unterschiede darzustellen, ihre Biografien verständlich zu machen. „Menschen mit Einwanderungsgeschichte sind oft mit Stereotypen besetzt, sie tauchen immer mit bestimmten Zuschreibungen auf. Das wollten wir bewusst aufbrechen“, sagt Produzent Bastian Asdonk, der die Serie mit seiner Firma Hyperbole und dem öffentlich-rechtlichen Sender entwickelte.

Trotz des großen Erfolgs von „Germania“ gab es immer wieder Kritik an dem Projekt, „sowohl von rechts als auch von links“, sagt Asdonk. Die Verwendung des historisch kontaminierten Begriffs „Germania“ sowie die offensive Umdeutung tradierter Konzepte wie Heimat hätten dabei im Zentrum der Auseinandersetzungen gestanden. 

Sternburgs „Das ist Germania“ provoziert ebenfalls, da es den Begriff Heimat auf den Kopf stellt, zerlegt und wieder neu zusammensetzt. Seine Geschichten berühren, sind bedrückend und unterhaltsam zugleich. Der Autor sagt, alle 15 Protagonisten seines Buches verbinde „eine Diversität, die in großen Teilen Deutschlands immer noch nicht akzeptiert oder schief angeschaut wird“.

Diese Geschichten seien „wichtig für die Kids, die sich täglich auf Spotify die Tracks der Künstler anhören, ohne meist allzu viel über die Geschichten der Menschen dahinter zu wissen“. Aber ebenso für die Generation 40 plus, „die Rap und Soziale Medien bis heute als ein unverständliches Übel unserer Zeit sieht“.

Juri Sternburg: „Das ist Germania“, Droemer HC, München 2020,  256 S., 20 Euro