Viele Menschen weltweit setzen sich für ihre Rechte ein. Hier bei einer Klimademo in Sydney, Australien.
Foto: dpa/Dan Himbrechts

BerlinIm Vorfeld des Dreikönigstages, so berichtete am Montag die Katholische Nachrichtenagentur (KNA), haben Aktivisten aus mindestens fünf Städten in Deutschland 15 Krippenfiguren entfernt. Eine Sprecherin der Aktion „Ausgegrenzt – Dreikönige vor den Toren Europas“ sagte der KNA, mit der Aktion @zwei_fehlen solle auf das Schicksal von Geflüchteten aufmerksam gemacht werden.

Im Nachrichtenjargon werden die Urheber des Vorgangs als Aktivisten beschrieben, eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam etwas getan haben. Der Aktivist steht häufig im Dienst einer begrifflichen Neutralität, es handelt sich dabei nicht zuletzt um den Versuch, den Kern der Nachricht nicht von vornherein mit einer Wertung zu verbinden.

Aber gelingt das auch? Mit der Kennzeichnung der Täter als Aktivisten unterscheidet man sie von Dieben. Wichtiger als die Entwendung der Figuren scheint die Idee, das Schicksal der im Krippenmotiv dargestellten christlichen Familie mit der gegenwärtigen Situation von Flüchtlingen zu verbinden. Mit der Aktion wolle man auf die „gravierende humanitäre Notlage in den Flüchtlingslagern an den europäischen Außengrenzen und innerhalb Europas“ aufmerksam machen.

Immer häufiger dient die Bezeichnung Aktivist auch als Selbstbeschreibung, mit der sich die Akteure von Zuschreibungen des Begriffsfeldes Protest zu lösen versuchen. Das mag auch damit zu tun haben, dass die naheliegende Personalisierung von Protestierenden als Protestanten historisch bereits prägnant besetzt ist. Der Protestor, so der lateinische Wortstamm, bezeugt etwas ausdrücklich als Widerspruch zur herrschenden Meinung oder Politik. Das bloße Bekenntnis scheint heutigen Aktivisten zu schwach. In einer Welt, in der jeder ein Beweger sein will, sieht sich der Aktivist in radikaler Opposition zum Nichtstun. Er ist ein Propagandist der Tat – welcher auch immer.