Neil Armstrong und Buzz Aldrin landen am 20. Juli 1969 auf dem Mond, wo sie mit Pfirsichen beglückt werden.
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BerlinWer für ein privates, zu Hause eingenommenes Menü eine Speisekarte ausdruckt, ist entweder Gast bei der Fernsehshow „Das perfekte Dinner“ oder hat einen sehr, sehr besonderen Anlass zu feiern. Schade eigentlich, denn Speisekarten erzählen so viel, nicht nur das, was auf ihnen steht. Man lernt etwas über den Moment und die Menschen, die zusammen Brot brechen.

Das ausgesprochen rechercheaufwendige Buch „Wohl bekam’s!“ (Verlag Das kulturelle Gedächtnis) präsentiert dem Leser nun historische Menükarten, wie man sie selten zu Gesicht bekommt. Menüs aus drei Jahrtausenden kommen hier zusammen, von dem, was der assyrische König Assurnasirpal der Zweite seinen Tausenden Gästen im Jahr 879 vor Christus in Nimrud präsentierte – unter anderem 10 000 Turteltauben und 14 000 Schafe – hin zu Kim Kardashian und Kanye Wests Hochzeitsmenü: jene hausgemachte Halbmondpasta und Seeteufel- und Rinderfilets, die 2014 im Forte di Belvedere gegessen wurden. Oder die weitaus weniger privilegierten französischen Kriegsgefangenen in Brandenburg, die 1915 nur Gerste, Fett und Kartoffeln zu Mittag bekamen. Ja, Geschichte und Kulinarik, was will man freilich mehr?

Dabei muss man wissen, dass die Menükarte „à la russe“, eine Abfolge verschiedener Gerichte, wie wir sie heute kennen, erst seit dem 19. Jahrhundert existiert. Vorher war es gängig, alle Gerichte zeitgleich auf den Tisch zu stellen, genannt wurde das „service à la francaise“. Das konnte zu ziemlich opulenten Banketts führen, wie man sie aus Bildern des europäischen Barock im 17. und 18. Jahrhundert kennt, etwa von Rubens und Poussin. Derartige Dekadenz ist heute verpönt, aber bietet sich hier als durchaus unterhaltsame Lektüre an.

Prinzessin Dianas letztes Abendessen
Foto: Der Verlag "Das kulturelle Gedächtnis"

An ihrem tragischen Todestag, dem 31. August 1997, fliehen Prinzessin Diana und der ägyptische Geschäftsmann Dodi Al-Fayed vor einer Meute Paparazzi. Davor gehen sie nicht wie geplant ins Bistrot Benoit zum Abendessen, stattdessen bestellt Lady Di sich dieses Essen auf ihr Zimmer im Pariser Hotel Ritz.

Das erste Menü auf dem Mond
Foto: Der Verlag "Das kulturelle Gedächtnis"

Auch auf dem Mond braucht es Speis und Trank. Neil Armstrong und Buzz Aldrin landen – nach acht Tagen in ihrer „Saturn“-Rakete – am 20. Juli 1969 auf dem Mond, wo sie mit Speckstücken und Pfirsichen beglückt werden. Und das mehr als 380 000 Kilometer von jeglichen Lebensmitteln entfernt.

Die Beatles zu Besuch bei Elvis Presley
Foto: Der Verlag "Das kulturelle Gedächtnis"

Die Beatles sind 1965 auf ihrer ersten USA-Tournee und lassen es sich nicht nehmen, dem King of Rock’n’Roll, Elvis Presley, am 27. August einen Besuch in seinem Haus in Bel Air, Los Angeles abzustatten. Die Stimmung ist schlecht, bis zusammen musiziert und dieser fleischlastige Mitternachtssnack verspeist wird.

Der erste Nobelpreis für Marie Curie
Foto: Der Verlag "Das kulturelle Gedächtnis"

Als der Nobelpreis für Physik 1903 an Henri Becquerel, Marie und Pierre Curie verliehen wird, ist das Ehepaar Curie aus Krankheitsgründen nicht anwesend. Das feierliche Abendessen samt Schildkrötensuppe und Haselhuhn findet am 10. Dezember desselben Jahres im Stockholmer Grand Hôtel ohne sie statt.

Das letzte Abendessen auf der Titanic
Foto: Der Verlag "Das kulturelle Gedächtnis"

Mit einer Opulenz, die man heute kaum mehr kennt, kommt das letzte Speisemenü der ersten Klasse auf der Titanic daher. Küken, Lamm, Austern und Filet mignon beglücken die Gaumen von John Jacob Astor, Benjamin Guggenheim und Co., bevor das Schiff am 14. April 1912 im Atlantik versinkt.

Ein Frühstück bei Goethes
Foto: Der Verlag "Das kulturelle Gedächtnis"

1791 eröffnet das Stück „Die Jäger“ des Dramatikers August Wilhelm Iffland das Weimarer Hoftheater, dessen Leiter Johann Wolfgang von Goethe ist. Sieben Jahre später, als das Theater neu gestaltet wird, kommt Iffland zum Frühstück zum Dichterfürst: auf ein Gläschen süßen Wein und ein Stückchen Zervelatwurst.