Streaming

Dieses Jahr zeigt Pixar, Disneys Produktionsfirma mit Zuständigkeit für Animationen, ihren Weihnachtstrickfilm nicht im Kino, sondern auf dem hauseigenen Streamingportal Disney Plus. Am 25. Dezember kommt also „Soul“ auf die Bildschirme, eine fantastische Geschichte über einen New Yorker Jazzpianisten, der dummerweise genau an jenem Tag stirbt, als sich sein Traum erfüllt: ein Jazzkonzert mit einer der angesagtesten Saxophonistinnen der USA. Statt auf der Bühne findet sich Joe Garnder auf der Treppe zum Jenseits wieder, als Seele ohne Körper. Im halbtoten Zustand will er nun alles dafür tun, um auf die Erde in seinen Körper zurückzukehren. Ein großartiger, gefühlvoller, witziger Weihnachtsfilm, der alle Tasten auf der Gefühlsklaviatur drückt. Eine mitreißende Ode an das Leben. Soul“, ab 25.12. auf Disney Plus. Tomasz Kurianowicz

Hörbücher

Grimms Märchen lassen sich gut vorlesen und prima in Bilder umsetzen, deshalb gibt es etliche Buchausgaben und immer wieder Verfilmungen. Eine Erlebnisebene dazu bringen die Lesungen mit Musik des kleinen Verlags Edition See-Igel, der seit 25 Jahren besondere Hör-Erlebnisse schafft und dafür zigmal ausgezeichnet wurde. Das neueste Produkt ist die Geschichte vom „Tapferen Schneiderlein“ – guter Dinge und mit zunehmendem Amüsement vorgetragen von Ulrich Noethen. In die Sprechpausen des Schauspielers fügt sich in jeweils passender Stimmung Musik für zwei Klarinetten und Fagott von Wolfgang Amadeus Mozart, Ignaz Pleyel und Charles Koechlin. Es ist erstaunlich, wie sich aus dem Stimmen- und Instrumentenklang nach und nach ein Ganzes formt. Mit der CD zu 15,50 Euro kann man Menschen ab fünf Jahren getrost eine Weile allein lassen. Cornelia Geißler

Musik 

Wenn man denen glauben darf, die es erlebt haben, dann glichen die Nächte in dem New Yorker Club Paradise Garage eher Gottesdiensten als Tanzpartys. Und an der Kanzel stand der DJ Larry Levan. Er habe mit seinen Sets Spiritualität erzeugt, sagt ein Zeitzeuge, ein musikalisches Narrativ von Liebe, Hoffnung, Freiheit und Brüderlichkeit. Um zu verstehen, was gemeint ist, muss man sich nur sein Remix von MFSBs „Love is the message“ anhören. „Er hat es geschafft, dass 2000 Menschen dasselbe fühlen, zur selben Zeit den Höhepunkt erleben“, sagt der DJ DePino, der ihn manchmal vertrat. „Er konnte bewirken, dass sich 2000 Menschen eins fühlen.“ Die letzte Nacht in der Paradise Garage (in Wahrheit waren es drei, vom 25. bis zum 28. September 1987) gibt es in fünf Teilen auf CD. Susanne Lenz

Kann man Musik von den isländischen Postrockern Sigur Rós als Weihnachtsbeschallung verwenden? Natürlich! Mit den Komponisten Maria Huld Markan Sigfúsdóttir, Hilmar Örn Hilmarsson und Kantor Steindór Andersen sowie einem Chor und einem Orchester haben Sigur Rós das pompöse Livealbum „Odin's Raven Magic“ aufgenommen, das mit seinen traditionellen Erzählungen märchenhafter als fast jede Weihnachtsendung im Öffentlich-Rechtlichen klingt. In Island hört man diese Art von Weihnachtsmusik sicher bei Mondschein mit den Weihnachtselfen. In Berlin klappt das gut unter der Wohnzimmerlampe mit den Kindern im Arm. Nadja Dilger

In unserer Spotifyliste „Weihnachtslieder für 2020 in Berlin“ haben wir übrigens prächtige Weihnachtslieder für Sie zusammengestellt. Sie finden diese auch in unserem Onlineartikel zur „Weihnachtsmusik 2020“

Gaming

„Papers Please“ gilt als einer der Klassiker unter anspruchsvollen Computerspielen. Die Spielidee ist einfach: Es geht darum, als Grenzkontrolleur zu entscheiden, wer in den fiktiven Staat Arstotzka einreisen darf und wer draußen bleiben muss. Gefälschte Pässe, traurige Schicksalsgeschichten, aber auch falsche Angaben von Einreisewilligen und dazu ständig neue Anordnungen der Regierung - alles nicht so einfach. Auch deshalb, weil Fehler sanktioniert werden. Wer als Grenzkontrolleur unkonzentriert arbeitet, muss mit Lohnabzug rechnen. Im Hintergrund vermittelt das Spiel eine gesellschaftliche Botschaft. Was ist schon gerecht? Wie ist das mit Pflichtbewusstsein, staatlichen Vorgaben und moralischen Ansprüchen? Das Spiel bekommt mit der Corona-Pandemie und der bevorstehenden Verteilung der Impfstoffe eine unerwartete Aktualität. Im Spiel zeigt sich nämlich, wie schwierig es ist, eine Lösung zu finden, die staatliche Vorgaben, gesellschaftliche Übereinkünfte und traurige Einzelschicksale berücksichtigt. Jörg Hunke

„Papers Please“, erschienen 2013, Preis 8,99 Euro, geeignet für PC und Mac, App ist auch im App-Store erhältlich, Experten empfehlen das Spiel ab 14 Jahren. Mehr Infos unter: https://papersplea.se