War es Neid? Meine Schwägerin hat nämlich so einen. Aus Glas. Elegant und turboschick. Das ästhetische Haupterlebnis beginnt jedoch, wenn man den Wasserkocher anstellt. Dann leuchtet er blau. Und wenn das Wasser zu sieden beginnt, blinkern die Bläschen. Blaublaublau. Am Ende blubbert das Ganze in herrlichstem Azur. Karibik in der Küche. Ein Whirlpool neben der Spüle. Wenn ich bei meiner Schwägerin bin, tue ich nichts als schauen, bis das Wasser kocht. In heller Verzückung. Ich könnte den ganzen Tag Kaffee kochen. Oder Tee. Schwarz. Grün. Weiß. Oder einfach Wasser. Aber wer macht den so was.

Und meiner? Ist vor allem alt. 25 Jahre oder so. Er stand schon in unserer Studenten-WG. Man sieht es ihm an. Fleckiges Metall, angelaufener Kunststoff, ein Unterrock aus Kalk, daraus ist sein Kleid gemacht. Nicht schön. Ein echter Küchenschreck. Und benimmt sich auch so. Aus Protest gegen die Vernachlässigung spuckt er Kalkfetzen in den Kaffee. Dunkelbraune Plättchen, die an der Zunge kleben wie Esspapier. Sie schmecken auch so, also nach gar nichts. Aber Haare schmecken auch nach gar nichts und trotzdem sind sie eklig im Mund.

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