„Jetzt bin ich eben endgültig Deutschlands zweitwichtigster Talker. Pardon, Frau Illner, vielleicht auch der drittwichtigste.“ So kommentierte Frank Plasberg, Moderator der ARD-Sendung „Hart aber fair“, kürzlich Günther Jauchs angekündigten Abschied von der öffentlich-rechtlichen Fernsehbühne. Sonderlich traurig schien Plasberg nicht über Jauchs Abgang zu sein: „Diese Reflexe, dieser Dackelblick, dem kann keiner böse sein.“

Vermutlich hat Frank Plasberg schon immer gedacht, dass er die bessere, weniger boulevardeske Politsendung macht – und genau dafür von der ARD mit dem schlechteren Sendeplatz bestraft wird. Während er in Jauch den „gefühlten Bundespräsidenten“ sieht, hat er für sich die Rolle des „kantigen Journalisten“ reserviert. Jetzt steht Plasberg allerdings unvermutet als jemand da, dessen TV-Produktionsfirma heimlich Lobbyarbeit für seine Ehefrau Anne Gesthuysen, die ehemalige Moderatorin des ARD-„Morgenmagazin“, macht. Genau dafür wurde Plasbergs Produktionsfirma Ansager & Schnipselmann jetzt von seinem Haussender WDR ermahnt – wobei eine WDR-Sprecherin auf Anfrage dieser Zeitung betonte, dass diese Ermahnung kein formeller Akt sei, sondern eher ein Hinweis unter Handelspartnern.

Neben der Produktion der „Hart aber fair“-Sendungen ist Ansager & Schnipselmann offenbar auch als PR-Dienstleister tätig. Jedenfalls wurde Plasbergs Firma vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft damit beauftragt, für den von Anne Gesthuysen moderierten Versicherungstag 2015 Podiumsgäste einzuladen und einen Themenfilm zu produzieren. Ein leitender Mitarbeiter schrieb unter anderem Bundesjustizminister Heiko Maas an, um ihn als Teilnehmer zu gewinnen – und setzte dabei die „Hart aber fair“-Signatur ans Ende der Einladungs-E-Mails.

Merkwürdige Vermischung von Tätigkeiten

Der WDR sieht darin eine fragwürdige Vermischung von TV-Produktionsgeschäft und „anderen Tätigkeiten“. Hier müsse es, so die WDR-Sprecherin, eine „klare Trennung“ geben. Zugleich betont der WDR, dass ihm die „Einladung zu der besagten Podiumsdiskussion nicht bekannt“ war und auch nicht, dass dabei „Hart aber fair“ als Absender auftauchte. „Der WDR hat Ansager & Schnipselmann darauf hingewiesen, dass dies nicht zulässig ist und künftig zu unterbleiben hat“, so die Sprecherin. Plasbergs Firma habe dies zugesichert und von einem Versehen gesprochen.

Wäre nicht gerade Fernseh-Sommerpause, müsste „Hart aber fair“ jetzt vielleicht in eigener Sache reden: Über die Interessenkonflikte nämlich, die entstehen, wenn eine TV-Produktionsfirma nebenbei Werbeveranstaltungen der freien Wirtschaft organisiert. Das mutmaßliche Versehen des Plasberg-Mitarbeiters bringt eine weit verbreitete Praxis ans Licht: Viele ARD-Moderatoren produzieren ihre Talkshows im Auftrag der Sender selbst, werden dafür hoch bezahlt und agieren zusätzlich am freien Markt. Laut WDR ist Ansager & Schnipselmann „kein exklusiver Partner“, sondern „ein freies Unternehmen, das sich behaupten muss“.

Frank Plasberg hat sich zu der Ermahnung seines Haussenders nicht geäußert, aber kürzlich über die ARD gesagt: „Dieses leicht irre System bringt nicht selten gute Entscheidungen hervor.“ In diesem Fall hat das ARD-System allerdings eine fragwürdige und für Verwechslungen anfällige Praxis hervorgebracht.