Ein vernichtendes Glück nannte Friedrich Küppersbusch einmal, früh eine Sendung moderiert zu haben, deren Konzept so passgenau auf ihn zugeschnitten war. Bis heute ist „ZAK“ in Erinnerung. Von 1990 bis 1996 lief der „Wochenrückblick“, zunächst beim WDR, dann im Ersten. Küppersbuschs Moderationen wurden preisgekrönt, selbst die Quoten stimmten. Die daran anschließende, von ihm produzierte Sendung „Privatfernsehen“ floppte dann, doch daran erinnern sich wenige.

Dank diesem Umstand, und weil sich der seit 1998 ausschließlich hinter den Kulissen wirkende Produzent durch nichts erweichen ließ, wieder vor die Kamera zu treten, hätte Küppersbusch alle Voraussetzungen erfüllt, Ehrenvorsitzender seines eigenen Denkmalschutzvereins zu werden. Auch diese Formulierung stammt von ihm und ist gemünzt auf öffentliche Menschen, denen einmal etwas richtig gut gelungen ist, die das Publikum aber immer wieder nur in dieser einen Rolle sehen will. Insofern mag seine Abwehr, wieder zu moderieren, tatsächlich Ausdruck einer „extremen Eitelkeit“ sein, „dass ich meine galaktisch herausragende Bedeutung nicht durch eine schlechte Sendung beschädigen möchte“. So lautete eine seiner typischen Antworten auf die immer gleiche Frage nach seiner Rückkehr auf den Bildschirm.

Zumindest Berliner konnten und können seine von schnell mit Worten schießende Bassstimme, Ironie und Sprachwitz geprägten Kommentare zum aktuellen politischen Geschehen zwar jeden Montag um kurz nach acht Uhr auf Radio Eins hören, und Leser der Tageszeitung die taz können seine Meinung zu diesem und jenem und nicht zuletzt zu den Borussen Woche für Woche lesen. Aber zu sehen war er nicht.

15 Minuten bis zur Bundestagswahl

Umso bemerkenswerter ist, dass er sich nun doch wieder vor die Kamera traut. Von heute an, jeweils montags, dienstags und donnerstags, kaum 15 Minuten lang und auch nur bis zur Bundestagswahl, moderiert Küppersbusch „Tagesschaum“. Ein Kommentar- und Meinungsmagazin nennt er die Sendung , „eine Viertelstunde Haltung, Erbauung und Trost“, mit der er die Zuschauer bis zur Bundestagswahl begleiten will. Zwei Tage davor, am 20. September, ist Schluss. Er folge damit den wertvollen Hinweisen und Anregungen der Gremien, von denen er damals, in den neunziger Jahren, reichlich erhielt und die er nun „zur Grundlage des neuen Formats“ gemacht habe, gab er seiner Hauszeitung taz zu Protokoll: „Dies ist die erste Sendung, die fertig abgesetzt auf den Sender kommt“.

Es droht ihm also nicht wieder die Gefahr, im Wissen, dass ihn keiner sehen will, noch viele weitere Male vor die Kamera treten und moderieren zu müssen – wie damals beim „Privatfernsehen“. Da sei es ihm gegangen, erzählte er später, als sage der Schiri beim Spielstand von 20:0 „Verlängerung! Noch zehn!“

Wie zu erfahren ist, dient sein Büro seiner Kölner Produktionsfirma probono bei „Tagesschaum“ als karge Kulisse. Von dort wird er mit Einspielern, Schalten und Schnipseln das Nachrichtengeschehen „pointiert und gewollt unausgewogen kommentieren“, teilt der zuständige Sender WDR mit. Was mit „unausgewogen“ unter anderem gemeint sein könnte, zeigt eine Antwort, die er kürzlich auf die Frage gab, ob es nach Tom Buhrows Wahl zum WDR-Intendanten nun endgültig vorbei sei mit dem „Rotfunk“. Küppersbusch: „Das war schon ’ne Schimäre, als ich da war, und das ist 20 Jahre her. War doof, von außen und rechts immer als ,Rotfunk„ bepöbelt zu werden und drinnen zu sitzen und zu denken ,Schön wär’s.“

Immerhin hat der WDR nun die in jeglicher Hinsicht zeitlich begrenzte Chance, politischer Satire zumindest ein wenig Raum zu geben. Ohnehin hat die ARD Nachholbedarf in Sachen Humor. Nicht ohne Grund schaut sie neidisch auf Oliver Welkes „heute-show“ im Zweiten, nicht umsonst hat der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor angekündigt, nach Auslaufen von Reinhold Beckmanns Gesprächssendung den Sendeplatz am Donnerstagabend für Satire und Comedy zu reservieren.

Zunächst aber kommt die „Tagesschau auf Koks“, wie Küppersbusch „Tagesschaum“ nennt. Wem die Startzeit beim WDR zu spät ist, kann die Sendung übrigens um 22.45 Uhr auf dem Digitalsender Eins Festival oder auch auf dem eigens eingerichteten Youtube-Kanal sehen, wo es bereits tagsüber Bonusmaterial geben soll.

Tagesschaum, montags, dienstags, donnerstags, 23.15 Uhr, WDR