Denn während die Pläne von Youtube und Co. bei den Sendern Unbehagen hervorrufen, könnten Produzenten davon profitieren, wenn die Portalbetreiber mit hochwertigen Inhalten ein anspruchsvolles Publikum ansprechen wollen. „Wir wurden in diesem Jahr von verschiedenen Anbietern aus dem Web-TV-Bereich aktiv angesprochen, das ist ein Novum“, sagt der Geschäftsführer der Produktionsfirma Eyeworks, Oliver Fuchs, der im Herbst zum ZDF wechselt. Immer sei es dabei um „Fernsehprogramme“ gegangen – nur eben in einem neuen Medium. „Noch sind die Produktionspreise nicht ganz vergleichbar mit den im klassischen TV-Geschäft gerechneten Budgets“, sagt Fuchs, „jedoch ist ein erheblicher Investment-Wille feststellbar und jedem Beteiligten ist klar, dass originäres Programm seinen Preis hat und die Qualitätsstandards sich angleichen müssen, um den Zuschauern ein TV-Gefühl unabhängig von der Plattform zu ermöglichen“. Über die Beteiligungsmodelle werde mit den jeweiligen Anbietern allerdings noch gerungen.

Ufa im Gespräch mit Youtube

„Google, Netflix und Hulu sind mögliche Auftraggeber für uns“, sagt auch Jens-Uwe Bornemann, bei der Produktionsfirma Ufa für die digitale Entwicklung zuständig. Die Ufa sei im Gespräch mit Youtube und arbeite „projektweise“ eng mit dem Portalbetreiber zusammen. Im US-Modell von Youtube seien die professionellen Inhalteproduzenten an den Einnahmen aus dem Programmumfeld beteiligt, zudem bleiben die Rechte bei ihnen.

Hoffnungen machen sich die Hersteller von Nischenprogrammen, etwa Dokumentarfilmer. „In einigen Märkten, in denen Video on Demand bereits deutlich weiterentwickelt ist als bei uns, stehen die großen Portale in einem völlig anderen Wettbewerb zueinander. Daraus ergibt sich natürlich ein gewisser Druck zur Differenzierung“, sagt der Geschäftsführer von Broadview.TV Leopold Hoesch. Welche Chancen tatsächlich für den deutschen Markt bestehen, vermag der Produzent nicht zu prognostizieren. Aber er dämpft allzu große Erwartungen. Aus seiner Sicht werde im deutschen Markt gerade erst die Phase erreicht, in der Lizenzverkäufe an Online-Plattformen interessant werden: „Von Auftragsproduktionen sind wir hier und in den meisten anderen europäischen Märkten sicher noch einige Jahre entfernt.“