Köln - „Maischberger“-Zuschauer haben am Mittwochabend die Website des Drogeriemarktes Rossmann lahmgelegt. Grund dafür war eine Ankündigung von Unternehmensgründer Dirk Roßmann, der 25.000 Exemplare des Buches „Wir sind das Klima“ von Autor Jonathan Safran Foer an die Zuschauer verschenken wollte, wenn sich diese auf der Rossmann-Homepage melden würden. Daraufhin war die Website kurzzeitig nicht erreichbar.

„Angst kann nicht das Leitmotiv für das eigene Handeln sein. Ich mache jetzt etwas, was es so im deutschen Fernsehen noch nicht gab. [...] Ich bin 73 Jahre alt, aber das heißt nicht, dass ich den ganzen Tag Däumchen drehen muss“, begründete Roßmann seinen Schritt. Das Buch habe ihm geholfen, Zusammenhänge in Sachen Ressourcen und Klimaschutz zu verstehen.

Die Themen der Woche

Neben Roßmann diskutierten auch Moderator Johannes B. Kerner und Ex-Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust über die Themen der Woche. Der erste Punkt: Die Halbzeitbilanz der Großen Koalition. Aust beginnt direkt mit einer überraschenden Forderung, will die Amtszeit von Bundeskanzlern und -kanzlerinnen auf zwei Legislaturperioden begrenzen. „Die Erfahrung zeigt, dass die letzte Amtszeit den Politikern nicht gut tut.“

Johannes B. Kerner sieht das anders, findet die Arbeit der Großen Koalition gar nicht so schlecht. „Aber die Art, wie man als Partner miteinander umgeht, geht gar nicht", so der Moderator.

Kerner steigt auch beim zweiten Punkt des Abends, die Krise beim deutschen Meister FC Bayern München, direkt harsch ein. „Ich glaube nicht, dass Niko Kovač Schuld ist an der aktuellen Situation des FC Bayern. Es gibt tieferliegende Probleme und im Sommer wurde schlecht eingekauft.“ Kerner könnte sich auch vorstellen, dass Interimstrainer Hansi Flick bis zum Saisonende bleibt, bis ein geeigneter Kandidat zur Verfügung steht. Aust und Roßmann halten sich in dieser Diskussion bewusst zurück.

Dafür ist Journalist Aust gefragt, als über die Ergebnisse der Landtagswahl in Thüringen diskutiert wird. „In dem Zustand, in dem sich die AfD derzeit befindet, ist es zwingend notwendig, für andere Parteien eine Brandmauer zu ihr hochzuziehen. Ich würde mit ihr keine Koalition eingehen.“ 

„Das sind Menschen, die bewusst zündeln am rechten Rand der Gesellschaft, und die man bewusst Faschist nennen darf. Die Wähler müssen wir ernst nehmen, denn die können wir erreichen, die können wir demnächst umstimmen“, findet Kerner deutliche Worte. Auch Roßmann hält es für falsch, über eine Koalition von AfD und CDU nachzudenken: „Ich halte den derzeitigen Standpunkt der CDU absolut für nachvollziehbar.“

Das Einzelgespräch

Arbeitsminister Hubertus Heil muss im Einzelgespräch mit Maischberger laufend Sätze parieren, die ihm die Moderatorin in den Mund legen will. Während Maischberger Streit beim Thema Grundrente in der Koalition sucht, kontert Heil: „Das ist eine Diskussion, die ich nicht führe. Wir sprechen über Machtspiele, über Parteiinteressen, aber nicht über die Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet haben. Bei gutem Willem bekommen wir eine Grundrente mit einer gemeinsamen Lösung hin.“

Gleichzeitig sprach sich der Arbeitsminister für das Kandidaten-Duo Olaf Scholz und Klara Geywitz für den Parteivorsitz aus. Ansonsten präsentiert der 47-Jährige wenig neue Ideen, betont lediglich immer wieder, dass er die Grundrente durchbekommen möchte. Maischbergers Kritik an dieser, die auf Dauer immer unverständlicher wird und häufig aus dem CDU-Lager kommt, stört das Gespräch eher, als dass sie es fördert. Heil muss dauerhaft Argumente wiederholen, neue Erkenntnisse kann er in seiner Verteidigungsposition kaum bringen.

Die Diskussion

Anschließend geht es ins Duell zwischen „Seawatch“-Kapitänin Carola Rackete und FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg. „Als ich auf einem Schiff am Nordpol gearbeitet haben, habe ich zum ersten Mal gesehen, dass er ganz anders aussieht, als ich ihn mir vorgestellt habe. Andere Wissenschaftler haben mir berichtet, wie schockierend die Änderungen in den letzten 20 Jahren waren.“ 

Teuteberg kontert mit politischen Floskeln: „Klimaschutz ist auch uns wichtig, aber man muss ihn gut machen und nicht nur gut meinen. Wir müssen mit einem kühlen Kopf an die Sache herangehen, damit wir das Problem weltweit lösen können. Wir müssen mehr tun, als nur Verzicht zu predigen, denn das wird nicht funktionieren.“

Rackete kritisiert anschließend die Unternehmen, die durch ihr Handeln den Planeten zerstören: „Wer etwas kaputtmacht, muss auch dementsprechend bestraft werden.“ Teuteberg bekommt diese Forderungen nur mäßig abgewehrt, generell wirkt die FDP-Politikerin in der Diskussion nicht sicher, ihre Aussagen wirken wie abgelesen: „Verantwortung kann anders wahrgenommen werden. Wir müssen unsere Ressourcen besser nutzen. Deswegen wollen wir Unternehmen für ihren Ausstoß von Kohlenstoffdioxid zahlen lassen, damit sie einen Anreiz haben, diesen zu verringern.“

Rackete bestreitet diesen Preis nicht, glaubt aber nicht, dass dieser Ansatz alleine reicht: „Es ist zu spät, zu glauben, dass das jetzt funktioniert. Wir müssen schauen, wie wir mit den physikalischen Grenzen auf unserem Planeten umgehen, denn mit der Physik kann man nicht diskutieren.“ Es entwickelt sich leider keine richtige Diskussion, Maischberger stellt schlicht abwechselnd Fragen. Rackete fordert, Teuteberg kontert mäßig. Die „Seawatch“-Kapitänin macht insgesamt den besseren Eindruck, während Teuteberg erneut unter Beweis stellt, dass das Thema Klimaschutz für sie nur zweitrangig ist. Statt konkrete Forderungen zu stellen, nutzt die Generalsekretärin ihren Auftritt, um Kritik an der Großen Koalition zu betreiben.

Das Fazit

Am Ende wird auch Maischberger den Schatten der GroKo-Halbzeitbilanz nicht los. Weil sie im Einzelgespräch mit Arbeitsminister Heil unbedingt einen Zwist heraufbeschwören will, aber an den Verteidigungskünsten des SPD-Politikers scheitert.

Roßmanns Bekenntnis für den Klimaschutz ist bereits vor der Diskussion zwischen Teuteberg und Rackete der erste Schlag für die FDP-Politikerin. Ausgerechnet der Unternehmer Roßmann spricht sich deutlich für schnelle Veränderung aus, die nicht nur wirtschaftlicher Natur ist. Statt mit entsprechenden Argumenten dagegenzuhalten, folgt Floskel auf Floskel, Maischberger versucht das mit ihren Fragen aufzubrechen, bekommt aber nur weitere Floskeln zu hören. Die machen eine Diskussion aber nicht besser, sondern schnell redundant. Leider zu häufig an diesem Abend.